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Der Schnee des Apennin
(c) by Fabrizius

Der Roman, der unter diesem Arbeitstitel entstanden ist

wurde von der Homepage genommen.

Hier die Zusammenfassung und drei Leseproben

 

Zusammenfassung

Der Roman erzählt von einer Zeitreise in das antike republikanische Rom 184 v. Chr. Während dieser Zeitreise wird ein bis heute verschollener Text von Cato (Die Origines) mit dem Protagonisten in die Gegenwart transferiert. Der brisante Papyrus enthält mehr als nur Catos Aufruf an seine Römer. Es gibt Textpassagen, in denen eine Glaubensgemeinschaft 200 v. Chr. beschrieben wird. Diese Ausführungen haben eine verblüffende Ähnlichkeit mit Kapiteln aus dem Neuen Testament. (enthält das Neue Testament Plagiate der Origines?) Ein rätselhafter lateinischer Spruch gibt Anlass zu vielerlei Spekulationen.  
Es tauchen drei Bronzereliefs auf, zwei davon bilden ein rituelles Pferdeopfer ab, eines davon ein Menschenopfer. Dieses Pferdeopfer ist historisch belegt und wurde von den antiken Marspriestern am 15. Oktober begangen. Der 15. Oktober ist der Geburtstag des Hauptprotagonisten.
   
Höchste klerikale Kreise u. a. auch Opus Dei interessieren sich für den brisanten Originaltext der Origines.  2000 Jahre Kirchengeschichte müssten umgeschrieben werden, wenn dieser Text bekannt würde.
 
Es beginnt die Jagd nach dem Papyrus.  
Schauplätze sind Rom, der Odenwald, Passau,  
Lazise (Gardasee) und Volterra (Toskana).
 
Die aktuelle Handlung ist im Präsenz geschrieben, die Rückblenden in die Antike sind im Imperfekt geschrieben.  
Einige Protagonisten agieren sowohl in der aktuellen Zeit als auch in der Antike.  
 
Die Story findet ihren Höhepunkt am Tag des Pferdeopfers. Der 1. Marspriester, Spross eines etruskischen Adelsgeschlechtes, will den Untergang seines Volkes (Etrusker) durch ein Menschenopfer stoppen. Dafür hat er sich eine jungfräuliche Vestalin ausgesucht, die etruskischer Abstammung ist.

 

Leseprobe 1

Georg war immer dabei. Er war es auch, der  Dr. Sockelmann für diese Stadt begeisterte. An das erste Gespräch, damals spät abends im Krankenhaus, erinnert er sich gut. Er kam gerade aus dem Operationssaal. Seine Mitarbeiter hatten beim Italiener um die Ecke was zum Essen bestellt. Die vielen Stunden im OP machten hungrig. Georg, der Hausmeister, kam herein in den engen Raum neben der Röntgenabteilung, zwängte sich auf den letzten freien Stuhl und griff nach einer Pizzaschnitte.

"In Rom schmecken die Dinger besser."  Mit einem Schluck Rotwein aus einem herumstehenden Glas unterstrich er seine Worte."Wann fährst Du wieder?" wollte die Röntgenassistentin wissen. "Nächsten Monat, über Himmelfahrt bin ich wieder drunten!" Und jetzt schwärmte er von seinem Rom. Sockelmann fragte nach Einzelheiten seiner Reise und bekam  zur Antwort. "Fahr halt mit!" Damit pflanzte er ihm dieses Virus in sein Herz! Dr. Sockelmann ist mitgefahren. Vor vielen Jahren begeisterte ihn Georg für Rom. Die Freundschaft eines Chefarztes mit seinem Hausmeister mag nicht alltäglich sein. Sie hat die Jahre überdauert und ist intensiver geworden. Ihre gemeinsame Liebe ist geblieben – Rom.

 Jetzt sitzt Georg mit in der Runde im Schlafwagenabteil, kaut auf einer Wurstsemmel und füllt seinen Becher mit Rotwein. Mit seinen achtundfünfzig Jahren ist Georg der Älteste in der Runde. Die meisten unterschätzen ‚Schosi’, wie ihn alle seine Freunde liebevoll nennen. Seine Beobachtungsgabe, seine hellwachen Augen und sein trockener Humor sind immer für eine gelungene Überraschung gut. Georg ist Junggeselle geblieben, nach seiner Interpretation wollte er sein Herz nicht an eine einzige Lady verschenken, dazu sei es zu kostbar. Seine Freunde vermuten allerdings, dass er die Ansprüche an die Damenwelt so hoch schraubte, dass keine sie erfüllen konnte.

 

Leseprobe 2

Das sanfte Rattern des Waggons, die Monotonie der Schiene lässt die Augen schwer werden. Die ganze Nacht fahren die Freunde durch Österreich, Nord- und Mittelitalien und morgen früh werden sie in Rom sein. Das Licht im Schlafwagenabteil ist aus. Irgendetwas hält Sockelmann wach. Er sieht das Buch vor sich, die Seite 191, die Beschreibung der römischen Republik. Warum gerade diese Epoche? Die prächtige Kaiserzeit mit ihren Eroberungsfeldzügen, ihren Monumentalbauten, ihrem Prunk, ihrer weltumspannenden Macht, ist die nicht interessanter? Sockelmann quält sich im Halbschlaf. Im Traum ist er Cato und schreibt an den Origines. Er wacht auf als der Zug zum stehen kommt und hört verhallende Schritte auf dem Bahnsteig.

Der Nachtzug zieht an, wird schneller, ein monotones Gleiten, er fällt zurück in seinen Traum.

 Ein Augur stand auf dem Palatin und beobachtete die Turmfalken, die um den Jupitertempel kreisten. Die Sonne malte ein intensives Rot an den Horizont. Bald würde sie hinter den Pinien des Ianiculus verschwunden sein. Blitzschnell stießen die Raubvögel hinein in das Buschwerk des Tarpejischen Felsens um Singvögel zu erbeuten. Oben am Himmel zogen Rauchschwalben ihre Kreise. Wie aus dem nichts schoss ein Adler hinunter ins Forum, jagte über die Via sacra und griff eine Schlange, die sich um einen verdorrten Strauch wand. Er riss die Schlange mit dem knorrigen Ast in die Höhe. Diese wand sich in den Fängen des mächtigen Vogels. Der Ast berührte den Flügel des Adlers. Um nicht abzustürzen musste der Greif seine Beute frei geben. Die Schlange fiel, mehrfach um den Ast gewunden, vor das Haus Catos, am Fuße des Capitols.

 Der junge Tag grüßt durchs Fenster herein. Werner ist mit einem Satz herunter gesprungen und hat die Verdunkelung zurückgezogen. Georg ist nebenan im Waschraum. Die Vororte Roms fliegen vorbei.

 "Dass du im Schlaf mit den Zähnen knirschst ist bekannt. Dass du mal Latein in der Schule gelernt hast weiß ich. Aber heute Nacht hast du lateinisch geredet!" Werners Bemerkung lässt Dr. Sockelmann wach werden.

 

Leseprobe 3

Pietro liegt auf der Matratze, die er direkt unter dem Dachfenster  ausgebreitet hat. Die Wasserflasche auf dem Tisch ist leer, den Hartkäse hat er ganz aufgegessen, ein wenig Brot ist übrig geblieben. Auch wenn er den Stuhl auf den Tisch stellen würde, das Fenster in der Dachschräge kann er nicht erreichen. Er starrt in  den Himmel, der sich allmählich verdunkelt. Regentropfen klatschen auf die Scheibe begleitet von Donnergrollen. Pietro sieht die Tropfen auf dem Glas zerplatzen. Der erste Blitz zuckt über den Himmel gefolgt von einem lauten Knall. Der Regen wird heftiger, er wird von Sturmböen gegen das Dach geschleudert. Das Prasseln hört sich wie Trommelwirbel an. Der zweite und dritte Blitz lässt Pietros Gefängnis in gleißendem Licht erscheinen. Immer noch liegt er auf der Matratze und schaut hinauf zum Oberlicht. Den Himmel kann er nicht mehr sehen, nur den Regen, der mit Wucht gegen das Fenster geschleudert wird. Nach jedem Blitz hört er das dumpfe Grollen des Donners das bedrohlich lauter wird und sich in einem hellen Krachen entlädt. Pietro steht auf und schiebt die Matratze mit den Füßen an die Wand neben der Tür. Immer noch trommelt der Regen aufs Dach, zucken die Blitze ums Haus.

Einmal war er mit Giulia in die Toskana gefahren. Bei einer Wanderung in der Nähe von Volterra wurden sie von einem Gewitter überrascht. Sie suchten Unterschlupf in einer Feldscheune. Damals zitterte Giulia vor Angst in seinen Armen. Nach wenigen Minuten war das Unwetter vorbei und die Sonne strahlte wieder über den Hügeln um diese alte Etruskerstadt. Wohlbehalten kamen sie in ihr Hotel zurück. Am nächsten Tag gingen sie in das Etruskische Museum um die Bronzestatue des geheimnisvollen Knaben von Volterra  zu bewundern. Ombra della sera, der Abendschatten, wurde sie  genannt. Giulia stand lange vor dieser Plastik, studierte die filigrane Arbeit, die Gesichtszüge und fragte ihn, welches Schicksal diesen Knaben vor fast zweitausendfünfhundert Jahren ereilt haben könnte, weil ihm solch eine wundervolle  Bronzeplastik mit ins Grab gelegt wurde. Pietro konnte ihr keine Antwort geben.

"Gestern nach dem Gewitter in der Feldscheune", sagte sie, "sah ich deinen langen Schatten, als du in der Tür standst, er glich diesem Jungen aus Volterra". Sie drückte sich an Pietro und redete weiter: "Ich habe Angst, dass mich ein ähnliches Schicksal treffen könnte." Immer wieder kam sie damals während ihres gemeinsamen Toskanaaufenthaltes auf dieses Thema zu sprechen. Pietro musste noch mal mit ihr in das Museum gehen. Es schien so als könne sie sich nicht satt sehen an dieser Bronzestatue. Auf seinen Einwand hin, dass es doch nur eine Bronzestatue sei, fauchte sie ihn an: "Rede keinen  Unsinn, diese Bronze wurde einem Jungen mit ins Grab gelegt, dieses Schicksal interessiert mich, auch wenn es schon ewig lange her ist."

Immer noch zucken die Lichtblitze durch das Dachfenster in den kahlen Raum. Draußen  tobt der furchtbare Gewittersturm weiter. Pietro hört das Tosen, hört den Regen, wahre Sturzbäche müssen das sein. Den Kopf in beide Hände gestützt sitzt er am Tisch. Innständig hofft er, dass dieses Unwetter bald vorbei sein wird. Ganz deutlich hört Pietro die Worte von Giulia: "Ich habe Angst, dass mich ein ähnliches Schicksal treffen könnte." Dass ausgerechnet diese Erinnerung jetzt wiederkommt. Diese Begebenheit liegt schon Jahre zurück. Erneut blendet ein Lichtblitz durch das Dachfenster, für Bruchteile einer Sekunde sieht er einen langen Schatten auf dem Dielenfußboden und an der Wand.

"Ombra della Sera" murmelt er und schließt die Augen.

Doch im gleichen Moment fährt Pietro hoch. Der Schatten kann nicht von ihm sein, er saß eben noch zusammengekauert am Tisch aber der Schatten war aufrecht.