Home  Rom  Kindertexte  Info-Seite  Satire  Texte und mehr  Foren u. Links  Notizen  Gastautoren  Märchen für Erwachsene

Das Internet - Feuilleton von Fabrizius
Spätsommer 2001

Herzlich willkommen im Blauen Salon

 Zurück zur Feuilleton-Übersicht


Weihnachten wird abgeschafft!

 

 

Die Meldung


Wie erst jetzt aus einem noch geheimgehaltenen Papier des EU Gipfels in Genua bekannt wurde, will die rot-grüne Bundesregierung im Alleingang das
Weihnachtsfest ab dem Jahre 2002 abschaffen. Die anderen Mitgliedsstaaten, allen voran Österreich, wollen zusammen mit der Vereinigung der Weihnachtsmänner, dem Einzelhandelsverband sowie der Amtskirche gegen diesen nationalen Alleingang protestieren und haben dazu den internationalen Gerichtshof angerufen.
Am Rande des Treffens von Papst Johannes XXIII mit dem Rechtspopulisten
Jörg Haider im vergangenen Monat wurden erste bilaterale Gegenmaßnahmen zwischen Klerus und Nationalisten abgesprochen.
Das Studentenwerk hat vorsorglich wegen der zu erwartenden Mindereinnahmen im Weihnachtsmännerverleih um eine Bafög Erhöhung ersucht.

Während die Kirchen bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert haben, will
der deutsche Einzelhandelsverband zusammen mit den Lamettaherstellern jedes staatliche Eingreifen in dieses „Fest der Liebe“ durch eine einstweilige
Verfügung stoppen lassen.

Die Wirtschaftszeitschrift „Gier und Raff“ schreibt dazu in ihrer letzten Ausgabe

Immer mehr verlässt die rot-grüne Koalition den traditionellen Weg der
konsumgerechten Weihnachtszeit. Wenn auch der kleine Koalitionspartner die
Ausrottung des natürlichen Tannengrüns in den Vordergrund stellt, so lässt Innenminister Schily schon an einer Verordnung über die „Artgerechte Entsorgung von Kunststoffweihnachtsbäumen“ arbeiten.
Die heimische Plastikindustrie will die zu erwartenden Mehrkosten des
Kunstbaumrecyclings von den gesetzlichen Krankenkassen ersetzt bekommen, da sie, so die Meinung des Vorsitzenden des Anhörungsausschusses  für die Beseitigung von Weihnachtserzeugnissen auf petrochemischer Basis, Ossi Wessiman, einen wesentlichen Beitrag zur Eindämmung der Plastikämie leistet.

Der Verband der Berufsfeuerwehren befürcht einen dramatischen Rückgang
produktspezifischer Einsätze, die rasch in einem gezielten Stellenabbau der
Abteilung „Weihnachtsbaumnaßspritzen“ gipfeln könnte.
Der Koordinator des „Interessenverbandes der Handfeuerlöscherhersteller e.V.“ gibt zu Bedenken, dass die heikle Lage, in der sich sein Verband seit der innenministeriellen Verordnungsplanung befindet, den saisonalen Anstieg des Absatzes einarmig zu bedienender Feuerlöscher zunichte machen wird.
Die Nürnberger Lebkuchenindustrie formuliert an einer Protestnote, die
der BSG angeschlagenen Verbraucherministerin in einer eigens anberaumten
Protestkundgebung auf dem Berliner Flughafen Tempelhof übergeben werden soll.
„Es werden dazu mehrere Hundert Traktorfahrer, allesamt CDU Mitglieder, aus
dem Brandenburgischen erwartet“, erklärt der Süßwarenbeauftragte für das Land Mittelfranken Xaver Sacharinus, der auf die traditionell guten Beziehungen zwischen der Lebkuchenlobby, der CSU und den mehlerzeugenden Landwirten hinweist.


Die Bundesregierung versprach bis 2002 einen geeigneten Maßnahmenkatalog zu erstellen, um den Ausfall des Weihnachtsfestes kostenneutral umsetzen zu können.


“Eine Ersatzlösung sei bisher nicht diskutiert worden“, so der designierte
Sprecher Ägidius Nichtssag von der Arbeitsgemeinschaft „Aufmüpfige
Hinterbänkler“, der auch die im Bundestag vertretenen Atheisten repräsentiert.


Urlaubssprüche aus der Ferienregion Bayerischer Wald

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

Feeerien ... hach Feeerien!

Spinner sind das! Richtige Spinner!
Nix in Kühlschrank, aber nach Mallorca machen!
Gesoxe!
Ich bleib in meinen Garten!
 
Tut sich einer in der Blechlawine aufregen.
Muss de ja nich, bleib zuhause!
 
So’n Tüttelkram, Biokost auf’n Bauernhof.
Ich kotz mir einen vor’n Latz.
Jogging von Kuhstall bis Scheunentor.
Verrückt sin’s, de Naturalisten.
 
Von dat Wellnessgetue wird deine Gicht auch nit besser!
Sauf nit so viel, dann wird die Wampe eh kleiner!
 
Ich bin dat ganze Jahr in meinen Wanderverein.
Im Urlaub tu ich nix und dat fällt mich schon schwer!
 
Kenns’de Harry? Ne, kenns’de nich!
So was war der am Schimpfen, ich sach dir!
In ’ner Pommesbude hat der Bratkartoffel verlangt!
Ick hab mer kaputtgelacht!

Icke mach keen Urlaub nich, icke erhole mir!

Wenn ich mal Fahrrad fahren will, woll ...
dann is bei den Drahtesel immer de Luft raus!
Setz ich mich halt in mein Auto und geh Zigaretten holen.
 
Oh Mann, ich bin an verdursten
und der nimmt immer noch die Getränke auf!
 
Da war’n mer ins Jebirge jefahren. Mit der Bundesbahn.
Ick sach dir, überall Jebirge.
Ne ne, da iss mer de Hasenheide doch lieber!
 
Mit dem Sprit, wenn de tanken tust,
Muss’ de achtpassen,
dass die nicht während dem Zapfen die Preise erhöhen!
 
Ich brauch kein Ballermann, Mann!
Ich hab mein Flachmann, Mann!
 
Was dem Einen seine Rolex,
iss dem Andern seine Latex!

  So wird es sein!

In den Rauchschwaden einer Wasserpfeife sehe ich eine Welt voller Paradoxen. Eine Weltfirma nimmt ein Produkt vom Markt, weil es am Tod von 72 Menschen mit verantwortlich sein kann. Kommissionen und Institutionen klagen sich gegenseitig an, schieben Verantwortung weiter und beschuldigen den anderen etwas falsch gemacht zu haben. Politiker, Tage vorher noch ahnungslos, reden zu viel und sagen zu wenig; wollen Kompetenz vortäuschen und erwecken doch nur Dilettantismus. Gerade ist die Masse wieder an die Rindfleischtröge gewöhnt, schon tut sich ein Cholesterindesaster auf. Ein Zungenbrecher namens 'Rhabdomyolyse' wird in Gazetten und Talk-Shows eingeführt, wird zum Krankheitsmonster stilisiert und als Geißel der Menschheit verkauft. 'Können wir den Ärzten noch trauen', fragt der deutsche MeinungsBILDner.

Zur gleichen Zeit sterben Hunderte an Lungenkrebs. Das Produkt, dass diese Erkrankung auslöst ist seit Jahren bekannt, weltumspannend seine Verbreitung. Unzählige Opfer werden beklagt. Nur, kein Arzt verschreibt es. Es ist frei verkäuflich. Tausende von Tests in Forschungslaboratorien auf der ganzen Welt haben bewiesen, die Zigarette erzeugt Lungenkrebs. Keiner nimmt dieses Produkt freiwillig vom Markt. Kein Politiker verlangt die sofortige Produktionseinstellung. Institutionen und Kommissionen sammeln Daten, werten aus und kommen seit Jahrzehnten immer wieder zu dem gleichen Ergebnis. Die Teerstoffe einer Zigarette verursachen Lungenkrebs!

Und es geschieht nichts!


 

 

 

 

 

 

 

Sean Scully (* 1945)

 
Die altbewährte Masche, mache aus etwas Unscheinbarem einen Text
Reisbällchen, sie lesen richtig  R e i s b ä l l c h e n !
was ist das?
Ts!
Oder  N o t e n q u e r s c h n i t t.
Was?
Was die Reisbällchen mit dem Notenquerschnitt zu tun haben?
Nichts!
Wir Durchschnittsdenker sind gewohnt unsere Gehirnwindungen in festgefügten Bahnen zu dirigieren. Da hat das Reisbällchen nichts neben dem Notenquerschnitt zu suchen.
Warum eigentlich?
Sicher werden jetzt ein paar Leser mit der Achsel zucken und diese site verlassen. Kann man nichts machen. Sind halt Durchschnittsdenker!
Derjenige, respektive Diejenige, der/die hier weiterliest wird spätestens jetzt bemerken, dass er/sie die Hemmschwelle des Durchschnittsdenkers durchbrochen hat. Richtig, sonst hätte er/sie auch wie die anderen mit der Schulter gezuckt und die site 'übergangen'.
Gratulation! Sie sind noch da!
Ist doch schon mal was!
Aber jetzt kommts!
Noch nicht ganz, so einfach ist das mit den Reisbällchen und dem Notenquerschnitt nicht.
Der aufmerksame Leser muss sich nämlich fragen, warum Reisbällchen? Warum Notenquerschnitt?
Erst wenn wir diese beiden Worte alleine betrachtet haben können wir sie in Bezug zueinander setzen.
Den schulterzuckenden Nicht-mehr-Anwesenden ist diese Auseinandersetzung schon mal entgangen. Das haben sie jetzt davon!
 
Der Germanist im höheren Schuldienst wird die Sache anders angehen wollen als der Germanist in einem Literaturverlag.
Frage nebenbei. Gibt es noch Germanisten in Literaturverlagen?
Zurück zur Sache!
Wie oft werden diese Worte 'Reisbällchen' und 'Notenquerschnitt' in der Literatur verwendet?
Vom 'Reisbällchen' weiß ich definitiv, dass Goethe es als Wort nie in seiner Literatur verwendet hat. Es ist aber anzunehmen, dass er es gelegentlich gegessen hat. Mit dem 'Notenquerschnitt' bin ich mir bei Goethe nicht so ganz sicher.
Wobei sicher von jedermann respektive jederfrau zweifelsfrei festgestellt wird, dass es sich bei diesen beiden zusammengesetzten Substantiven um keine exotischen Worte handelt. Sie fließen in unsere Umgangssprache ein ohne große Aufmerksamkeit zu erregen.
Und trotzdem hat Goethe nie 'Reisbällchen' verwendet. Gewiss, er hat nie ein Kochbuch geschrieben, da wäre die Gefahr der Verwendung um ein vielfaches größer gewesen.
Das muss zu Denken geben!
Kommen wir zum Kern der Sache.
nach Goethe 'des Pudels Kern'.
Sehen sie, solche Wortkompositionen hat uns der Altmeister vorgesetzt 'des Pudels Kern'. Sicher ist das damals nicht in unserer Umgangssprache verwurzelt gewesen. Nach Goethe schon, hat der Geheimrat selbst für gesorgt!
Bei Goethe schweife ich immer ab.
Entschuldigung!
Also...
die Reisbällchen sind Teil einer Einladungskarte mit Menüvorschlag.
Sie werden hier an Minzeblättern serviert. Andere Spielarten wären durchaus denkbar. Es sind aber Minzeblätter!
Und der Notenquerschnitt steht auf einem Bewerbungsschreiben. Auch er ist unvollständig, dahinter muss noch eine 1,7 gesetzt werden.
Ja da schau! Ein paar 'Übergeher' haben doch wieder zurückgefunden!
Schön schön!
Goethe hat doch gereizt, was?
Wo waren wir stehen geblieben?
Richtig!
Die Reisbällchen an Minzeblättern waren Durchschnitt und die Bewerberin mit dem Notenquerschnitt von 1,7 habe ich eingestellt.
Schönen Tag noch!
(oder wollen sie sich jetzt noch über Minzeblätter mit mir unterhalten?)