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Märchen für Erwachsene |
- Das Internet - Feuilleton
von Fabrizius
- Herbst 2001
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Herzlich willkommen
im Blauen Salon
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- Computerzeichnung
- von Benjamin (11 Jahre)
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MESZ ... MEZ ...
Eine
Stunde, die doppelt so lang ist. Der Zeiger der Uhr tickt zweimal über die
Strecke zwischen 2 Uhr und 3 Uhr. Die Digitaluhr springt rückwärts.
Europaweit hält die Zeit inne. Nur scheinbar ... bleibt die Zeit stehen.
Das Leben geht weiter.
Plötzlich wird uns bewusst, dass Zeit, so wie wir sie
verstehen, relativ ist. Sie ist manipulierbar. Als es noch keine Uhren gab
war Zeit eine konstante Größe. Der Tag-Nacht-Rhytmus hat unser Leben
bestimmt, die Jahreszeiten haben unser Tun und Handeln beeinflusst. Das
Wetter hat die Zeit langsam oder schnell gemacht.
Der Italiener kennt für die Substantive "Zeit" und
"Wetter" den gemeinsamen Begriff "il tempo"
- Tja, die Zeiten haben sich geändert
- Si, i tempi sono cambiati
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Lorenzo Bartolini, 1835 |
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- Ein Bild, eine Zeitungsmeldung, zwei Variationen
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Der wohlwollende Kommentar
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Kann er noch hoffen?
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Er
streicht sich die schwarze Mähne aus dem Gesicht.
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Sparsam war er schon immer. Selbst die Haare ließ er
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bei Muttern schneiden.
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Herbert Riller
ist ein fähiger Diplomingenieur bei Diwidag.
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Mit den Frauen hatte er bisher seine Probleme.
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Die Ehe mit Marion ging kaputt.
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Die Damen im Betrieb halten abstand.
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Er
gab ihnen keinen Grund dafür.
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Jetzt hat er seine Manuela gefunden.
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Jung, sexy, die eng anliegenden Leggins;
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die seidig glänzenden Haare im Pferdeschwanz gebändigt.
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Das ist sie, mit ihr will er noch mal den Anfang wagen.
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Der abweisende Kommentar
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Ob
das was wird?
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Die fettigen Haare bekommt er nicht aus dem Gesicht.
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Herbert
Riller ist ein Geizhals.
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Selbst für den Friseur war kein Geld da.
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Seine Mutter erledigte das kostenlos.
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Marion hielt es nicht mehr bei ihm aus.
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Frauen wollen halt mehr als nur Erfolg im Beruf.
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Seine Schwitzhände, sein stierender Blick wirken
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abstoßend.
Der Dipl.Ing. bei Diwidag
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lässt keine Sympathie aufkommen.
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Er
wird es wieder probieren.
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Die Neue, - Manuela.
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Jung, sexy, enge Leggins.
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Er
beginnt sich an ihr satt zu sehen.
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Man darf gespannt sein!
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Von Träumen,
Sehnsüchten und Wunschträumen
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(aus einem Briefwechsel)
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Der bisherige Disput hat das schon bewiesen. Wir werfen ein paar
Begriffe zusammen ohne sie genauer zu analysieren.
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Ein Traum ist was anderes als Sehnsucht. Der Begriff „Wunschtraum“ ist
kein Traum, er ist letztendlich „Wunsch“.
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Sehnsüchte sind Wunschvorstellungen von Menschen, die neben ihrem realen
Leben in ihrer Phantasie ein „besseres Leben“ erhoffen. Also sind solche
Sehnsüchte „Wunschträume“ unserer Phantasie und somit geistig
beeinflussbar!
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Ein Traum ist immer an tiefen Schlaf gebunden. (Aus dem heraus der
Träumer aufwachen kann und für eine Übergangszeit nicht recht weiß...
träume ich oder bin ich schon wach...)
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Ein Traum ist nicht von uns Menschen gewollt manipulierbar. Er entsteht
in unserem Unterbewusstsein. Er ist da, wird zur Kenntnis genommen (wenn
er überhaupt erinnerbar ist) und „gedeutet“. Hier taucht jetzt ein
ominöses Wort auf „Gedeutet“. Traumdeuten... besagt nichts anderes als
Interpretation von Unbekanntem! Und spätestens hier ist der Mystik Tür
und Tor geöffnet.
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Träume sind ausschließlich für das Individuum, das träumt, erkennbar.
Wenn ich diesen Traum jemandem erzähle, dann deute ich ihn schon... ich
„manipuliere“ ihn. Somit kann nur ich selber etwas an meiner
Persönlichkeit wahrnehmen, die mir bisher verborgen war. Ein Zweiter
kann meinen Traum nicht objektiv erkennen.
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Träume hinterlassen für den Naturwissenschaftler erkennbare Symptome.
Ein abgeleitetes EEG wird beim Träumen anders. Neurotransmitter
(Hirnhormone) können gemessen werden. Man weiß auch, dass gesunder
Schlaf nicht ohne Träume auskommt. Und doch werden wir einem Traum nicht
gerecht, wenn wir versuchen ihn zu messen. Hier wollen und müssen viele
mitreden, Psychologen, Philosophen, Theologen, Analytiker, .... und und
und.
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Eines können sie alle nicht abstreiten. Ein Traum wird immer nur von
einem einzigen Individuum erlebt und bleibt dessen Geheimnis. Sobald
dieses Individuum seinen Traum erzählt manipuliert er ihn, interpretiert
er ihn! Ein Traum ist nur für den Träumenden geistig existent und
nachvollziehbar.
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Träume stehen für sich selbst, der Träumende kann daraus ein Ziel
ableiten. Ein Traum alleine fordert kein Ziel.
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Ein Traum kann motivieren, kann lähmen, kann begeistern, kann zermürben,
kann Angst auslösen...
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Jeder Traum verändert das Unterbewusstsein eines Menschen. Dazu ist er
da! Und wir können uns diesem Traum nicht entziehen. Er ist da... oder
er ist nicht da!
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Sehnsucht... um noch mal an den Anfang zu kommen... hat mit Träumen
nichts zu tun!
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Es ist so viel darüber
geschrieben worden. Ich werde es nicht tun.
Statt dessen ein paar Fragen
Was ist ein Menschenleben
wert ?
- Kann man ein Menschenleben mit einem
anderen Menschenleben aufwiegen ?
- Wie weit weg sind wir vom Alten Testament ?
Auge um Auge, Zahn um Zahn.
- Was unterscheidet den Menschen vom Raubtier
?
- Ein Raubtier tötet um seine Art zu
erhalten.
- Der Mensch tötet grundlos !
Was bedeutet Vergeltung, was
bedeutet Rache?
Vergebung ... wie schwierig
ist Vergebung ?
- Welcher Tod ist grausamer?
- Der Tod der jungen Frau, die im Inferno von
New York ihr Leben lässt ?
- Der Tod, des palästinensischen Jungen, der
von einer Granate zerfetzt wird ?
- Der jüdische Passant, der durch eine
Autobombe in Stücke zerrissen wird ?
Es sind nur Fragen, nur
Fragen ... nicht mehr.
Irgendwann müssen wir eine
Antwort finden ... irgendwann.
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Wir müssen uns damit vertraut machen
Da ist er schon, wir können ihn nur noch nicht greifen. |
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Es herbstelt
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Bunt sind scho=on die Wälder
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Gelb die Sto=oppelfelder
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U=und der He=erbst beginnt
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Mit diesem Volkslied wird der Inbegriff
des Herbstes beschrieben.
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Gibt es diesen Herbst noch?
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In unserem Alltag wird er anders gesehen.
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Das Freibad sperrt zu.
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Die Ferien sind zu Ende.
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Die Produktion in den Betrieben wird
hochgefahren.
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Der Sommerschlussverkauf ist vorbei.
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Die Urlaubsbräune verblasst.
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Das Sommertheater hat den Vorhang
zugezogen.
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Herbst
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Heißt Schmuddelwetter. Die Nacht kommt
früher, der Tag lässt länger auf sich warten.
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Herbst
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Was für ein Herbst?
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Wer nimmt die reife Kornähre in die Hand?
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Wer sammelt all die Farben des
Herbstlaubs und presst sie zwischen Buchdeckeln?
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Rote Blätter fallen
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Graue Nebel wallen,
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Kü=ühler
we=eht der Wind.
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Kraftvoll malt die Natur unsere Welt.
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Sehen wir die ‚roten Blätter’?
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Der ‚graue Nebel’ wird dem Autofahrer zur
Tücke.
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Der ‚kühle Wind’ zerrt die Wintersachen
aus dem Kleiderschrank.
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Nicht die Nebelschwaden im Wiesengrund
sind gegenwärtig, eher die Regenpfütze mit Ölschlieren auf dem
Parkplatz. Regen peitscht keine Birke am Waldrand, er bringt die
Kanalisation zum Überlaufen.
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Das Herdfeuer prasselt in der Stube, Wind
saust um das Haus, Blätter wirbeln vor dem Fenster.
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Die Heizung wird um ein paar Grad nach
oben gedreht. Das Auto wird über Nacht in die Garage gefahren. Die
Gartenmöbel werden eingewintert.
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Familie Neureich überlegt auf welcher
Azoreninsel die Jahreszeiten hintergangen werden.
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Herbst
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Im Deutschen Liederschatz, Ausgabe 1979
Gondrom Verlag, Bayreuth, wird unter dem Themenkreis „Von Frühling,
Sommer, Herbst und Winter“ ein Herbstlied publiziert. Eben dieses „Bunt
sind schon die Wälder“
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Mit der Musik von J. F. Reichardt und dem
Text von J. G. von Salis-Seewis.
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Ein einziges Herbstlied! Das hat der
Herbst nicht verdient!
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