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Das Internet - Feuilleton von Fabrizius
Spätherbst 2001

Herzlich willkommen im Blauen Salon

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ein Adventsbild gezeichnet von einem Kind aus Ploesti (Rumänien)

 
Ein Lächeln im Advent
 
Überall Grelles, Buntes, Kitschiges, Blinkendes.

Wo ist die Adventszeit?

In den Kaufhäusern zwischen Elektronik- und Pelzabteilung? Auf den Weihnachtsmärkten zwischen Glühwein und Bratwurst?
 
Ich spüre diese Adventszeit überall ...
Überall dort, wo ich in Kinderaugen sehen kann. Hier erlebe ich den natürlichen Glanz des Staunens. Kein Erwachsener kann das mit seinen Augen ausdrücken. Nur Kinder haben diese Gabe.
 
Zwischen all dem „Jingle Bells“ und „Süßer die Glocken nie klingen“ schaut ein Dreikäsehoch zu mir herauf. Eingepackt in Wattejacke und Mütze, Pelzstiefelchen und Wollhandschuhe. Er strahlt. An der Hand seiner Mutter stapft er tapfer zwischen den vielen Beinen und Leibern weiter.
Die Mütze ist ihm über das rechte Auge gerutscht.
Er schaut immer noch zu mir herauf. Ich hebe die Hand, sage zu dem Knirps „Hallo“. Er dankt es mir mit einem Kinderlachen.
 
Ich habe sie gesehen, diese staunenden Kinderaugen.

 

 

  Der Unterhaltungswert der Politik

Politik lebt nicht nur von Sachthemen. Spannend wird es dann, wenn politische Auseinandersetzungen konträrer Meinungen in Rede und Gegenrede aufeinender stoßen. Ausgesprochen unterhaltsam kann der Einsatz nuancierter Polemik und versteckter Satire sein. Die Sprache in all ihren Variationen ist die schärfste Waffe des Politikers. Der versteckte "Seitenhieb" ist trefflicher unters Wahlvolk zu bringen als die plumpe Agitation. Das gekonnte Andeuten von Situationen ist effektiver als die herausgeplatzte Meinung.

Der wortlos über das Podium getragene schwarze Koffer sagt mehr als der gesprochene Satz über die Spendenaffäre der CDU. Hier wird die Kunst des Weglassens präsentiert. Mit einer Geste kann ich mehr sagen als mit vielen Sätzen. Der Koffer ist so ein Beispiel. Damit wird die Phantasie des Zuhörers gereizt. Der fertig vorformulierte Satz engt den Zuhörenden ein. Ein verzweifelter Blick gen Himmel während der Ausführung des politischen Gegners oder das gekonnte Stirnrunzeln kommentieren das Gesagte schon während es mitgeteilt wird.

Ganz wesentlich ist die innere Überzeugung des Gesagten. Ein Politiker wirkt nur dann glaubhaft, wenn er von seinen Worten überzeugt ist. Das muss der Zuhörer spüren.


 

 

 

 

 

 

 

 

Computerzeichnung von Benjamin (11 Jahre)