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Märchen für Erwachsene |
- Das Internet - Feuilleton
von Fabrizius
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Herzlich willkommen
im Blauen Salon |
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man soll über alles reden
die saloppe
Beschreibung einer Busenvergrößerung
Stellen Sie sich ein Putenschnitzel vor, das Sie seitlich aufschneiden,
um ein Cordon bleu daraus zu machen. Damit die Füllung Platz hat,
schieben Sie ihre Finger in die Öffnung, ziehen das Fleisch bis zu den
Rändern auseinander und bauen somit eine Tasche. Nach diesem Prinzip
machen heute Schönheitschirurgen mit der Routine von Kantinenköchen
willigen Frauen neue Brüste. Der Chirurg nimmt das Silikonkissen aus der
Packung, umspült es mit Desinfektionsmittel und quetscht das Implantat
mit zwei Fingern durch den drei Zentimeter langen Schnitt unterhalb der
Brust. Ruckel, ruckel, dann sitzt alles. Das Loch wird zugenäht. Voilà!
Fertig ist der neue Busen.
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- Die Macht des Wortes
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Die Macht des
Wortes wird unterschätzt. Der geschulte Agitator kann mit einer
einzigen Rede in viele Herzen sowohl Gutes aber auch Böses
hineinpflanzen. Das geschriebene Wort steht dem in nichts nach. Eine
klare Sprache kann manipulieren. Ein Bild ist flüchtig, erst das
Engramm in unserem Inneren lässt es nachhaltig werden. Ein gut
gewählter Satz lässt ein Bild entstehen, „graviert“ es mit unserer
Phantasie in unsere Gedanken ein und archiviert es über Jahrzehnte.
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- Die Legende vom
ersten Satz
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- „Er war schon zehn
Minuten zu spät“
- Mehr wusste Stefan
Beuse nicht von seinem ersten richtigen Roman* als er ihn anfing.
Viele Autoren, die Belletristik schreiben, entwickeln ihre Plots aus
dem Bauch heraus. Martin Walser bemerkte in einem Interview, für den
Deutschlandfunk, dass er oft morgens nicht wisse was er am Abend
geschrieben habe und dass es durchaus sein könne, dass er das
Geschriebene am nächsten Morgen wieder verwerfe.
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- Manch geistloser
Metapher wird bei einem Gespräch geboren.
- „Ich kann nur über
etwas schreiben, dass ich selbst nicht ganz begreife!“ Aus dem Munde
eines Autors suggerieren diese Worte Gewicht obwohl sie genau so
belanglos hingeworfen sind wie die Aussage einer Marktfrau übers
Wetter „Schee heit, gell?“
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- Da gibt es noch die
Spezies von Autoren, die über Jahre mit einer fiktiven Idee leben
einen großen Roman schreiben zu wollen. Sie wollen ihn schreiben, sie
wollen immer nur, sie tun es nie. Aber es gibt auch die Autoren, die
ihre Romane am Fließband produzieren. Jedes Jahr eine Neuerscheinung.
Es ist nie ein Großer darunter, aber die Durchschnittsware verkauft
sich zufriedenstellend.
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- Nicht zu vergessen
die große Schar der verhinderten Autoren. Sie versenden ein Expose
nach dem anderen um nach Jahren der Demütigung doch bei einem
Zuschussverlag zu landen. „Hauptsache gedruckt“ heißt die Devise. Sie
alle zehren von der Aura des verhinderten Genies. Sie führen
schlagkräftige Argumente ins Feld. Auch Patrik Süßkinds Erstlingswerk
„Das Parfüm“ sei von keinem deutschen Verlag angenommen worden. Ein
schwermütiger Seufzer untermalt den satz und dringt in das Innerste
der Dichterseele, so unverstanden, so gekränkt. Ließt man die ersten
Seiten ihres Exposes, dann allerdings eröffnet sich eine literarische
Wüste. Mit einem gehauchten „oh Gott“ schiebt man das Geschriebene zur
Seite und ist dankbar, dass es so was wie „books on demand“ gibt.
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- * „Die Nacht
der Könige“ Piper Verlag, München
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