Gedanken
sind Rätsel unserer Seele
Die Nachdenklichkeit ist so eine Sache für sich. Kaum steuerbar
beschäftigt
sie unseren Geist, macht glücklich oder fröhlich, macht unglücklich
und sogar
traurig.
Der „Gedankenblitz“ hinein in das erlebte Leben gehört genau so dazu
wie die
Sehnsüchte einer schlaflosen Nacht.
Gedanken erliegen nie unserem Willen. Sie haben immer etwas
Revoluzzerisches
an sich. Sie brechen aus, verselbstständigen sich, gehorchen nicht
unserer
Vernunft.
Gedanken können nie vollständig in Worte gesetzt werden. Das
Aussprechen der
Gedanken und das Niederschreiben benötigt eine Selektion der Worte,
damit
ist der freie Gedanke schon eingeengt.
Ein aufgeschriebener Satz steht für eine feste Zeit, der Gedanke an
sich ist
zeitlos. Er ist unruhig und lässt sich nicht fesseln.
Er will sich nicht vom gesprochenen Wort gängeln lassen.
Gedanken sind in dem Moment, in dem sie gedacht sind, absolut. Erst
die
Überlegung danach relativiert sie. Der formulierte Gedanke ist in
ein Schema
gepresst.
Gedanken sind nie „nur“ Worte. Im Geiste entstehen Bilder,
Emotionen,
Stimmungen und Gefühle. Worte allein machen noch keinen Gedanken.
Aus einer inneren Unruhe heraus entstehen vielfältige Überlegungen.
Ungeordnet und unstet rasen sie in unserem Hirn.
Aber sie entstehen nicht nur in unserem Gehirn. Dahinter verbergen
sich
Seele und Herz. Nur der Mensch in seiner Ganzheit kann Gedanken
erklärbar machen.
Unverhofft schnellen sie heraus und vermitteln eine Geisteswelt die
bunter
und vielfältiger nicht sein könnte. Die Phantasie ist eine besondere
Form der
Gedanken.
Sie sind Stimmungen unterworfen. Auch der glücklichste Mensch kann
in seiner
Seele traurig sein; unsere Gedanken beleuchten beides, nicht nur das
Oberflächliche. Sie steigen hinab in unser Innerstes und
konfrontieren uns damit.
Sie produzieren Zuneigung, Liebe, Hass und Gleichgültigkeit.
Sie werden zur menschlichen Leidenschaft.
Klarheit und Offenheit vermischen sich mit Zweifeln und Ängsten.
Sie geben uns immer wieder ein Rätsel auf.
Das alte Volkslied „Die Gedanken sind frei“, um 1790 entstanden,
verkörperte damals wie heute den Wunsch das zu sagen was man denkt.
Oft ein
gefährliches Unterfangen auch noch in unserer heutigen Zeit.
Ich wünsche mir viele Menschen mit freien Gedanken. Sie verdienen
unser
aller Respekt.