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Das Internet - Feuilleton von Fabrizius
September - Oktober- November

Herzlich willkommen im Blauen Salon

   

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Wie bitte ?

Küblbeck vor Schumi ... Die 100 besten Deutschen ... ?
Unsere Spaßgesellschaft schlägt Kapriolen.
Die Schlagzeile ist alles, die geistige Substanz dahinter erschreckt offenbar niemanden.
Ich wollte es einfach nicht glauben, dass so viele Menschen so einen Schwachsinn produzieren. Nach dem ersten Aufreger wurde ich nachdenklich. Mir wurde klar, irgend jemand schleudert billige Schlagzeilen in die Massenmedien und wir Zeitungsleser bzw. Fernsehzuschauer beteiligen uns an diesem Unsinn. Da fragt die Bildzeitung und das ZDF nach den besten Deutschen. Wer wählt die eigentlich, diese „besten Deutschen“? Ich will ja dem jungen Daniel Küblbeck nichts absprechen, aber die Frage muss erlaubt sein: „Meinen die das ernst?“
Warum beteilt sich Jemand an solch einer „Wahl“? Ist es nur Spaß an der Freude? Einfach mal so, iss ja eh nicht ernst gemeint? Nur, die BILD verkauft „Küblbeck vor Schumi“ auf der ersten Seite, macht einen Riesenaufmacher draus und suggeriert jedem ... das sei Meinung „der Deutschen“.
Sind wir alle so tief drinnen im Oberflächlichen?
Sicher, dank Bohlen haben heuer Leute zum ersten Mal ein Buch in der Hand gehalten. Die wären nie auf die Idee gekommen Hesse oder Grass zu lesen, aber Bohlen.
Ohne eine gehörige Portion Sarkasmus kann so was gar nicht kommentiert werden. Dort wo Geld damit verdient wird ist das geistige Niveau zweitrangig, sagen selbst renommierte Verlage. Mit Bohlen machen sie Kohle und können so vielleicht auch mal einen unbekannten Autor in kleiner Auflage bringen.
Selbst in seriösen Medien wird über die Frage diskutiert, ob Gottschalk nicht Bundeskanzler werden solle (vielleicht kann er das sogar ...)
Ist das Ausdruck unserer modernen Zeit? Ist es nicht ... zum Glück ist es das nicht. Solche Kapriolen waren zu allen Zeiten gang und gebe. Sogar ein römischer Kaiser machte sein Pferd zum Konsul.
Jetzt schickt sich das „Volk der Dichter und Denker“ an ein paar „Schmalspurliteraten“ auf den Leim zu gehen. Eigentlich schade.
So kurz vor Weihnachten sollten wir uns überlegen, ob nicht ein Buch das Präsent für einen lieben Menschen wäre. ... Richtig, auch in Fürstenzell gibt es eine Buchhandlung und eine ordentliche Beratung dazu. Jenseits von Bohlen, Küblbeck und Konsorten. Traut euch doch mal. Statt Computerspiel ein Buch. Ihr werdet überrascht sein.
Ähm ... wünsche eine besinnliche Adventszeit. Ja weiß ich ... iss so ne Floskel, was ist in der Vorweihnachtszeit denn schon „besinnlich“? Oder? Wir können selbst dazu beitragen. Wenn wir mehr auf die „leisen Töne“ hören. Ein gutes Buch kann eine ganze Menge dazu beitragen.
 

 
 
Herbstlaub
 
Die Hitze ist vergessen. Die Nächte sind kühl, Nebelfelder verstecken sich in den Niederungen. Am Badestrand ist es einsam geworden.
Die Jogger sind wieder mit langer Trainingshose und Sweatshirt unterwegs, manche haben die Kapuze ins Gesicht gezogen.
Die Kastanienallee malt rotbraune Farben in vielen Schattierungen. Wie schwere Tropfen fallen ihre Früchte um bald von Kindern aufgeglaubt zu werden.
Lena sammelt besonders schönes Herbstlaub. Sie will die Blätter trocknen um später ein Bild daraus zu legen.
Zusammen mit Johannes geht sie in die erste Klasse. Der verstaut Kastanien in seinem Schulpack.
Kramer schaut den beiden Kindern zu. Im zweiten Jahr ist er arbeitslos. Mit 55 Jahren findet er keinen Job mehr. Bei Lenas Vater, vorher bei deren Großvater arbeitete er. Dann wurde er ausgestellt. Im Baugewerbe sind viele Firmen pleite gegangen. Als ungelernter Arbeiter war Kramer einer der ersten, die gehen mussten.
Kramer wollte eigentlich alleine sein, die Kinder nicht ansprechen und trotzdem ruft er zu den beiden hinüber. „Hei Kleine! Zeig mir mal was Du gesammelt hast!“
Lena kommt zögerlich auf Kramer zu, bleibt aber mit Abstand vor ihm stehen.
„Was machst du mit den Blättern?“
„Ich trockne sie zwischen Zeitungspapier dann klebe ich sie zu einem Bild zusammen!“ Johannes zieht an Lenas Jacke. „Komm, wir gehen weiter, ich hab genügend Kastanien!“ Lena bleibt vor Kramer stehen. Der mustert sie von oben bis unten. „Du hast schöne blonde Locken!“ Kramer beugt sich auf seiner Parkbank nach vorne, „Komm zeig mir deine Blätter!“ Lena geht auf ihn zu, legt ihre Zeichenmappe auf die Bank und schlägt sie auf. „Du musst noch Kleinere sammeln, nicht nur die großen Kastanienblätter, dann kannst Du ein viel schöneres Bild machen!“
Kramer steht auf: „Da drüben, hinter dem Gebüsch gibt es noch mehr, komm wir gehen hin und sammeln sie auf.
Johannes ist in respektvoller Entfernung stehen geblieben „Komm mit!“
Lena aber legt ihren Schulranzen auf die Bank. „Ich komme gleich, pass auf meinen Schulpack auf!“ Kramer streicht ihr über die Locken: „Komm wir holen mehr davon!“
Lena springt voraus und ist schon bald hinter den Weisdornbüschen verschwunden. Kramer geht Lena nach, sein Hut liegt neben dem Schulranzen auf der Parkbank.
Zögerlich ruft ihnen Johannes nach: „Lena! ... Lena komm doch mit!“
Jetzt ist auch Kramer hinter dem Gebüsch verschwunden.
Johannes hört einen Schrei gleich darauf einen dumpfen Schlag. Er rennt davon.