So ist das mit den Neujahrsempfängen.
Kaum sind die Silvesterraketen verpufft schon
laden Institutionen und Parteien zum alljährlichen Neujahrsempfang.
Otto Normalverbraucher erlebt solche Events selten mit. Da muss man
schon Vereinsvorstand sein, Würdenträger oder Amtsinhaber.
„Wer wird persönlich begrüßt?“ Weil hier jeder
wichtig ist erfordert es besonderes Taktgefühl ein paar überaus
Wichtige aus der Masse herauszuheben. Die Geistlichkeit und die
Politiker können sich fast sicher sein etwas vom Begrüßungskuchen
abzubekommen.
Immer erwähnt wird das Ehrenamt, dass ja für
unsere Gesellschaft so fundamental ist.
Bei Smalltalk, Schnittchen und Sekt-Orange
wird Kontakt gepflegt, Reden geredet und Grußworte ausgetauscht.
Ehrenbürger und Ehrenmedallienträger sonnen sich in der geladenen
Öffentlichkeit und lauschen banalen Worten. Belangloses wird
palavert und Zukunftsperspektiven doziert. Viele reden - nur Wenige
haben was zu sagen.
Mit aufgesetztem Lächeln werden Bekannte
begrüßt und Prominenz umschmeichelt.
Schmucke Uniformträger zeigen stolz ihre
Abzeichen, Trachtler versprühen bajuwarische Lebensart.
Überall nette Menschen. Ganz Wichtige kommen
zu spät oder gehen vorzeitig.
Es gibt Salonlöwen, die locker zehn bis
fünfzehn solcher Empfänge absolvieren. Man will ja schließlich
irgendwo in der Presse erwähnt werden. Zwischen Käsebaguette und
Salamibrötchen wird Interesse geheuchelt. Die Politischen erklären
sich solidarisch mit dem gemeinen Volk, hören zu ohne zu Verstehen
und sind nur darauf bedacht eine gute Figur abzugeben.
„Platzhirschmentalität“ hat das mal ein frustrierter
Empfangsbesucher genannt. Jeder nimmt Jeden wichtig um ein paar
Takte später hinter vorgehaltener Hand die Frage zu stellen was der
oder die eigentlich hier zu suchen habe.
Solche Empfänge sind eindeutig von Männern
dominiert. Die wenigen Damen in der Runde werden beäugt. Wer kommt
da mit wem? Passen die zusammen?
Nach dem fünften Glas Sekt schielt so mancher
klammheimlich nach einer Halben Bier.