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Das Internet - Feuilleton von Fabrizius
Jahresanfang

Herzlich willkommen im Blauen Salon

   

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So ist das mit den Neujahrsempfängen.

Kaum sind die Silvesterraketen verpufft schon laden Institutionen und Parteien zum alljährlichen Neujahrsempfang. Otto Normalverbraucher erlebt solche Events selten mit. Da muss man schon Vereinsvorstand sein, Würdenträger oder Amtsinhaber.

„Wer wird persönlich begrüßt?“ Weil hier jeder wichtig ist erfordert es besonderes Taktgefühl ein paar überaus Wichtige aus der Masse herauszuheben. Die Geistlichkeit und die Politiker können sich fast sicher sein etwas vom Begrüßungskuchen abzubekommen.

Immer erwähnt wird das Ehrenamt, dass ja für unsere Gesellschaft so fundamental ist.

Bei Smalltalk, Schnittchen und Sekt-Orange wird Kontakt gepflegt, Reden geredet und Grußworte ausgetauscht. Ehrenbürger und Ehrenmedallienträger sonnen sich in der geladenen Öffentlichkeit und lauschen banalen Worten. Belangloses wird palavert und Zukunftsperspektiven doziert. Viele reden - nur Wenige haben was zu sagen.

Mit aufgesetztem Lächeln werden Bekannte begrüßt und Prominenz umschmeichelt.

Schmucke Uniformträger zeigen stolz ihre Abzeichen, Trachtler versprühen bajuwarische Lebensart.

Überall nette Menschen. Ganz Wichtige kommen zu spät oder gehen vorzeitig.

Es gibt Salonlöwen, die locker zehn bis fünfzehn solcher Empfänge absolvieren. Man will ja schließlich irgendwo in der Presse erwähnt werden. Zwischen Käsebaguette und Salamibrötchen wird Interesse geheuchelt. Die Politischen erklären sich solidarisch mit dem gemeinen Volk, hören zu ohne zu Verstehen und sind nur darauf bedacht eine gute Figur abzugeben. „Platzhirschmentalität“ hat das mal ein frustrierter Empfangsbesucher genannt. Jeder nimmt Jeden wichtig um ein paar Takte später hinter vorgehaltener Hand die Frage zu stellen was der oder die eigentlich hier zu suchen habe.

Solche Empfänge sind eindeutig von Männern dominiert. Die wenigen Damen in der Runde werden beäugt. Wer kommt da mit wem? Passen die zusammen?

Nach dem fünften Glas Sekt schielt so mancher klammheimlich nach einer Halben Bier.