Home  Rom  Kindertexte  Info-Seite  Satire  Texte und mehr  Foren u. Links  Notizen  Gastautoren  Märchen für Erwachsene

Das Internet - Feuilleton von Fabrizius
Frühling - Sommer

Herzlich willkommen im Blauen Salon

   

 Zurück zur Feuilleton-Übersicht


 

VIP

Diese „Very Important Persons“ werden immer mehr. So mancher fühlt sich wichtig und betrachtet die drei Buchstaben als Statussymbol. Da gibt es ein VIP-Zelt auf dem Tennisplatz, eine VIP-Lounge bei der Lufthansa und einen VIP-Bereich im Stadion. Der Normalsterbliche bleibt außen vor. Wenn wir uns diese „sehr wichtigen Personen“ genauer anschauen schmilzt die Maskerade. Ach ... die ist auch da drinnen im VIP-Bereich – und die soll „sehr wichtig“ sein? Beim besten Willen fällt mir nicht ein warum ausgerechnet diese Person so wichtig sein soll. Früher lag auf einem Tisch im Bierzelt ein Zettel, darauf stand: „Ehrengäste“. Da saßen dann die hohe Geistlichkeit, der Bürgermeister, der oder die Abgeordnete. Das war irgendwie nachvollziehbar. Es waren Menschen, die in unserer Gesellschaft einen gewissen Rang bekleidet haben. Im Volksmund nannte man sie „Honoratioren“ oder etwas despektierlicher „Großkopferte“. In einer VIP-Lounge ist das um einiges anders. Gewiss, oben genannte treiben sich auch dort herum, aber nicht nur die. Sehen und gesehen werden ist die Devise. Emporkömmlinge und Neureiche sind genau so vertreten wie Ordensträger und Klerikale. Das Bankkonto als Schlüssel zum VIP-Bereich ist ein wichtiges Utensil. Umlagert von Kameras und Presseleuten ist man wer, egal was man in seinem Leben geleistet hat oder auch nicht. Die Croissants mit der Wohlstandsbrause sind selbstverständlich gratis. Natürlich hat man freien Eintritt, sitzt gleich in der ersten Reihe. Das zahlende Publikum weiter hinten murrt mal lauter mal leiser. Je schillernder die Person, desto breiter die Aufmerksamkeit. Nicht Weisheit sondern Schrägheit ist gefragt. Die Pressemitteilungen überschlagen sich, wenn ein pubertierender Knabe ohne Führerschein einen Gurkenlaster rammt. Das ist VIP.

„Da ist man unter sich“! Spätestens bei dieser Aussage kann ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen. Viele dieser sektschlürfenden Individuen mit ihrem nichts sagenden Smalltalk würden doch überhaupt nicht an einen g’standenen Stammtisch passen.

 

 

 

 

 

 

Bildung und Allgemeinwissen ...

Um die Bildung und das Allgemeinwissen sei es in unserer Gesellschaft schlecht bestellt, so heißt es. Warum, habe ich mich gefragt und musste mir gleich noch eine Frage stellen. Was ist „Bildung“, was ist „Allgemeinwissen“? Hat Bildung was mit Schulausbildung zu tun? Jeder Mensch mit Abitur ist gebildet ... und was ist mit denen ohne Abitur? Schnell bemerkte ich, dass wir in unserem Alltag Begriffe verwenden, die uns nicht so richtig bewusst sind. Was gehört zum Allgemeinwissen? Von wann bis wann dauerte der 30jähriger Krieg? Oder ... in welchen Jahren war Bayern München Deutscher Fußballmeister? (Jedenfalls in diesem Jahr nicht !)

Allgemeinbildung ist wichtig. Wer definiert, was dazugehört, wo die Grenzen zum Spezialwissen sind und wann jemand keine Bildung oder mangelhaftes Allgemeinwissen hat.

An diesem Punkt wollte ich den Halbseiter abbrechen weil ich keinen Ausweg sah, hinter diese Begriffe zu schauen. Aber dann packte mich der Ehrgeiz doch noch was Ordentliches mit diesem Thema zu produzieren. Einige Leute aus meinem Umfeld habe ich nach diesen Begriffen gefragt. Ich spürte, je intensiver wir uns mit diesem Thema befassten, desto vielschichtiger und divergierender wurden die Meinungen. Mit anderen Substantiven versuchten wir der Erklärungsnot Herr zu werden. Detailwissen um was ganz Spezielles, also Fachwissen, kann so einseitig sein, dass lose Zungen von einem „Fachidioten“ sprechen. Was ist ein Genie? Kann ein Genie ohne Bildung auskommen? Muss ein Genie wissen, wie unser aller Bundeskanzler heißt?   Bewusst habe ich kein Lexikon, keinen Duden aufgeschlagen. Lexikonwissen abgreifen heißt nicht mehr selber darüber nachdenken müssen. Ich muss gestehen, meine Neugierde dort nachzuschauen war groß. Vielleicht schauen sie mal nach. So ein Wörterbuch nimmt man nicht alle Tage zur Hand ... und dann tun sie ja was für die Allgemeinbildung ... wenn sie das Lexikon zur Hand nehmen, drin rumblättern, feststellen, dass es Wörter gibt, von denen sie noch nie gehört haben. Machen sie sich keine Gedanken, das geht jedem so, der ein Lexikon aufschlägt.

Allgemeinwissen ... muss ein bundesdeutscher Normalbürger das Deutschlandlied singen können? Viele wissen wer alles im Big Brother Container übernachtet, aber es interessiert sie einen Dreck wer Innenminister ist.

Allgemeinwissen setzt Interesse voraus. Wenn ich mich nur für Insekten interessiere, dann weiß ich, dass die Fruchtfliege Drosophila melanogaster heißt, weiß aber nicht, dass Schumi bei Ferrari Rennen fährt. Sie sagen jetzt sicher, beides sei für die Allgemeinbildung unerheblich und sie mögen recht haben.

Ein Gedicht von Schiller aufsagen können heißt noch lange nicht es auch verstanden zu haben. Auswendiglernen mag das Gehirn trainieren, den Verstand kann es nicht ersetzen. Immer wieder hört oder liest man in den Medien von den Intellektuellen eines Staates. Was sind das für Leute? Haben die mehr zu sagen als Otto Normalverbraucher, haben sie mehr Gewicht in Sachen Politik oder Wirtschaft oder sind es einfach nur Klugscheißer? Vielleicht mailen sie mir ihre Meinung ... bin gespannt drauf.

e-mail Adresse: fabrizius@gmx.net