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Das Internet - Feuilleton von Fabrizius
 Januar - April 2005

 Herzlich willkommen im Blauen Salon

   

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Frühlingserwachen - gibt es das?
 
So fragte ich mich vergangene Woche, als der letzte Schneematsch in die Kanalisation gespült wurde. Neben dem „Erwachen“ kursiert noch ein anderes Wort, „Frühjahrsmüdigkeit“. ‚Alles erwacht und ist müde’ konstatiere ich und weiß mit beiden Begriffen nichts so recht anzufangen. Aber nicht genug, da gibt es den „Frühjahrsputz“ und die „Frühlingsgefühle“. Die Natur erwacht, die Triebe sprießen und die Säfte steigen. Sendboten des Frühlings zeigen uns den beginnenden Jahreskreis. Wer für solche lyrischen Ausdrücke nicht viel übrig hat, der wird eine andere Beschreibung, eine eher pragmatische Umschreibung, wählen.
Die Skier werden auf den Dachboden verfrachtet und die Fahrräder schon mal hergerichtet. Frühjahrsputzer denken an die über den Winter blind gewordenen Fensterscheiben, Gartler an die Anlage diverser Blumenrabatten und Gemüsebeete.
Jeder sucht sich sein spezielles „Frühlingserwachen“.
Der Fasching war heuer sehr kurz, um nicht zu sagen zu kurz. So richtig auf Touren kommen konnte man da gar nicht. Wie so oft bei erzwungenem Lustigsein, der feine Witz, die intelligente Ironie vermisste ich in den meisten Veranstaltungen. Selten mal ein Könner am Rednerpult ...ähhh ... „Bütt“ meinte ich natürlich. Faschingsbälle waren mal Gesellschaftsereignisse hier im Niederbayrischen, das ist schon lange her. Die reichlichen Events und Performances mit Glimmer, nackter Haut und Alkohol bis zum  Abwinken mögen den Veranstaltern einen satten Gewinn versprechen, eines sind sie nicht mehr, ein Aushängeschild unseres gesellschaftlichen Lebens.
Da freue ich mich auf die Starkbierzeit. Das ist kein verordnetes „Lustig Sein“ ... das ist deftiges Hinlangen, verbal natürlich. Hier spiegelt sich unser Niederbayern ehrlicher, mit seinem bodenständigen Witz, dem volkstümlichen „Derblecken“ und einem feinen Gespür für die Schwächen seiner Mitmenschen. Nicht von ungefähr wird diese Starkbierzeit und nicht der Fasching als „fünfte Jahreszeit“ angesehen.
Ach ja, dann gab es noch die Aschermittwochskundgebungen der Parteien. Von den einen als Popanz verdammt von anderen als Kräftemessen hinterm Maßkrug belächelt. Was haben solche Kundgebungen mit realer Politik zu tun? „Klappern gehört zum Handwerk“, sagen die Aschermittwochsfetischisten und bejubeln die Agitatoren in den Politikarenen Passaus und Vilshofens. Zum Medienspektakel verkommen inszenieren die Parteistrategen eine „Big Brother – Veranstaltung“ für Polit-Voyeure.
Frühlingserwachen auf Niederbayrisch sozusagen. Wenn die Karnevals-Fastnachts-Faschings-Gaudi vorbei ist legen wir hier in Niederbayern noch einen nach. Wir waren halt immer ein wenig anders als die andern.

 


   

 

Was habe ich mir alles vorgenommen ...
 
Wieder einmal wurde ein Jahreswechsel genutzt um sich was Besonderes vorzunehmen. Ob es sich ums ‚Rauchen aufhören’ handelt oder ums ‚Abnehmen’. In der Silvesternacht werden die Schwüre bei einem Gläschen Sekt begossen und der feste Wille ‚sein Ding’ durchzuziehen ist riesengroß. Die ersten drei Tage im neuen Jahr meiden wir das Nikotin wie der Teufel das Weihwasser. Statt Schinkenbrot und Schweinsbraten werden Mineraldrinks und Salatteller geordert. Gesund will man leben, alte Gewohnheiten über Bord werfen und ganz bewusst leben. Mehr Bewegung und weniger Alkohol sind angesagt.
Nur, das alte Ego lauert und bringt unsere guten Vorsätze spätestens nach einer Woche ins Wanken. Der Dauerlauf wird wegen schlechten Wetters ein ums andere mal verschoben, das Kalorieneinsparen bei der erstbesten Gelegenheit ausgesetzt. Auf das abends genehmigte Gläschen Wein folgt ein zweites weil es doch gerade so gemütlich in der Runde ist. Ein erstes Zigarillo wird damit erklärt es sei ja nicht so schädlich wie eine Zigarette. Der Kumpel am Stammtisch bestellt sich einen Grillteller, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Der Hunger nagt so schlimm in den Gedärmen, dass eine Currywurst herhalten muss.
Die Silvesternacht mit ihren Schwüren ist so unendlich weit weg. Die neu angeschaffte Badezimmerwaage  wird hartnäckig ignoriert. Ganz heimlich werden Chips und Erdnüsse hervorgeholt und schon mal die zweite Flasche Bier aufgemacht.
Sicher, das schlechte Gewissen meldet sich ab und zu.  Die ersten Ausflüchte werden parat gelegt. Man könne halt nicht alles auf einmal wollen. Ein bisschen bedauert man sich selber wie schwer doch alles sei. Die anderen hätten es da viel leichter, die könnten essen wie die Scheunendrescher und würden doch nicht zunehmen. Immerhin ist die neue Zigarettensorte leichter als die alte. Zwischendurch wird mal ein alkoholarmes Bier getrunken und statt Burgunderbraten gibt’s gelegentlich Hähnchenbrust. Doch im Großen und Ganzen ist alles so geblieben wie es war.
Natürlich war die Gesundheitsoffensive, die man sich selbst in der Silvesternacht auferlegt hatte, zum falschen Zeitpunkt gestartet.  Der Körper war darauf nicht mental vorbereitet. Alleine schafft man das nicht, so die neueste Argumentation.  Zehn Kilo in zwei Wochen, so versprechen uns diverse Anzeigen in der Regenbogenpresse. Die Bilder ‚vorher’ und ‚nachher’ zeigen ein und dieselbe Person als ‚Speckkoloss’ und wenige Wochen später als ‚elfenhafte Grazie’. Und das mit nur einer Monatspackung pulverisierter Glückseeligkeit für stramme einhundertfünf Euro. Jetzt steht die Blechdose in der hintersten Ecke im Küchenschrank. Sämtliche Spurenelemente und Vitamine schlummern in der angebrochenen Dose vor sich hin und warten auf den nächsten Anlauf.
Und er kommt ... oh ja der wird kommen!
Spätestens am Aschermittwoch mit dem Beginn der ‚Fastenzeit’.
Meine leidgeprüften Gewichtsreduzierer und Raucherentwöhner, fassen sie neuen Mut, es ist nie zu spät. Nehmen sie die schicksalhafte Entscheidung erneut auf sich. Nie mehr Schweinebraten und Tabakdunst, es werden glückliche Zeiten anbrechen.
Ihre Badezimmerwaage wird ihnen regelmäßig mitteilen wie schlank sie geworden sind. All die lieben Freunde werden sie beneiden, wenn sie die angebotene Zigarette mit den Worten ablehnen: „Ich habe aufgehört!“
Sie denken jetzt schon an die Sommermonate, in denen sie im figurbetonten Badeanzug Männerblicke auf sich ziehen. Ihr ‚Waschbrettbauch’ unter dem luftigen T-shirt wird ihr Stolz sein. Sie werden ein Mineralwasser bestellen und den wamperten Kerl am Nebentisch mit seinem frisch gezapften Weizenbier überlegen anlächeln. Wenn sie wirklich mal Verlangen nach einem Zwiebelrostbraten verspüren, dann ziehen sie ihre Outdoor-Schuhe an, schnappen sich ihre Skistöcke und rennen per ‚nordic walking’ im Wald rum. Schöne Zeiten werden anbrechen ohne Rauch und Bratwurst. Sie werden glücklich sein ... hoffentlich!