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- Das Internet - Feuilleton
von Fabrizius
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Frühlingserwachen - gibt es das?
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So fragte ich
mich vergangene Woche, als der letzte Schneematsch in die Kanalisation
gespült wurde. Neben dem „Erwachen“ kursiert noch ein anderes Wort,
„Frühjahrsmüdigkeit“. ‚Alles erwacht und ist müde’ konstatiere ich und
weiß mit beiden Begriffen nichts so recht anzufangen. Aber nicht
genug, da gibt es den „Frühjahrsputz“ und die „Frühlingsgefühle“. Die
Natur erwacht, die Triebe sprießen und die Säfte steigen. Sendboten
des Frühlings zeigen uns den beginnenden Jahreskreis. Wer für solche
lyrischen Ausdrücke nicht viel übrig hat, der wird eine andere
Beschreibung, eine eher pragmatische Umschreibung, wählen.
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Die Skier werden
auf den Dachboden verfrachtet und die Fahrräder schon mal
hergerichtet. Frühjahrsputzer denken an die über den Winter blind
gewordenen Fensterscheiben, Gartler an die Anlage diverser
Blumenrabatten und Gemüsebeete.
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Jeder sucht sich
sein spezielles „Frühlingserwachen“.
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Der Fasching war
heuer sehr kurz, um nicht zu sagen zu kurz. So richtig auf Touren
kommen konnte man da gar nicht. Wie so oft bei erzwungenem Lustigsein,
der feine Witz, die intelligente Ironie vermisste ich in den meisten
Veranstaltungen. Selten mal ein Könner am Rednerpult ...ähhh ...
„Bütt“ meinte ich natürlich. Faschingsbälle waren mal
Gesellschaftsereignisse hier im Niederbayrischen, das ist schon lange
her. Die reichlichen Events und Performances mit Glimmer, nackter Haut
und Alkohol bis zum Abwinken mögen den Veranstaltern einen satten
Gewinn versprechen, eines sind sie nicht mehr, ein Aushängeschild
unseres gesellschaftlichen Lebens.
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Da freue ich
mich auf die Starkbierzeit. Das ist kein verordnetes „Lustig Sein“ ...
das ist deftiges Hinlangen, verbal natürlich. Hier spiegelt sich unser
Niederbayern ehrlicher, mit seinem bodenständigen Witz, dem
volkstümlichen „Derblecken“ und einem feinen Gespür für die Schwächen
seiner Mitmenschen. Nicht von ungefähr wird diese Starkbierzeit und
nicht der Fasching als „fünfte Jahreszeit“ angesehen.
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Ach ja, dann gab
es noch die Aschermittwochskundgebungen der Parteien. Von den einen
als Popanz verdammt von anderen als Kräftemessen hinterm Maßkrug
belächelt. Was haben solche Kundgebungen mit realer Politik zu tun?
„Klappern gehört zum Handwerk“, sagen die Aschermittwochsfetischisten
und bejubeln die Agitatoren in den Politikarenen Passaus und
Vilshofens. Zum Medienspektakel verkommen inszenieren die
Parteistrategen eine „Big Brother – Veranstaltung“ für Polit-Voyeure.
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Frühlingserwachen auf Niederbayrisch sozusagen. Wenn die
Karnevals-Fastnachts-Faschings-Gaudi vorbei ist legen wir hier in
Niederbayern noch einen nach. Wir waren halt immer ein wenig anders
als die andern.
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Was habe ich mir alles
vorgenommen ...
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Wieder einmal wurde ein
Jahreswechsel genutzt um sich was Besonderes vorzunehmen. Ob es sich
ums ‚Rauchen aufhören’ handelt oder ums ‚Abnehmen’. In der
Silvesternacht werden die Schwüre bei einem Gläschen Sekt begossen
und der feste Wille ‚sein Ding’ durchzuziehen ist riesengroß. Die
ersten drei Tage im neuen Jahr meiden wir das Nikotin wie der Teufel
das Weihwasser. Statt Schinkenbrot und Schweinsbraten werden
Mineraldrinks und Salatteller geordert. Gesund will man leben, alte
Gewohnheiten über Bord werfen und ganz bewusst leben. Mehr Bewegung
und weniger Alkohol sind angesagt.
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Nur, das alte Ego lauert
und bringt
unsere
guten Vorsätze spätestens nach
einer Woche ins Wanken. Der Dauerlauf wird wegen schlechten Wetters
ein ums andere mal verschoben, das Kalorieneinsparen bei der
erstbesten Gelegenheit ausgesetzt. Auf das abends genehmigte
Gläschen Wein folgt ein zweites weil es doch gerade so gemütlich in
der Runde ist. Ein erstes Zigarillo wird damit erklärt es sei ja
nicht so schädlich wie eine Zigarette. Der Kumpel am Stammtisch
bestellt sich einen Grillteller, dass einem das Wasser im Munde
zusammenläuft. Der Hunger nagt so schlimm in den Gedärmen, dass eine
Currywurst herhalten muss.
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Die Silvesternacht mit ihren
Schwüren ist so unendlich weit weg. Die neu angeschaffte
Badezimmerwaage wird hartnäckig ignoriert. Ganz heimlich werden
Chips und Erdnüsse hervorgeholt und schon mal die zweite Flasche
Bier aufgemacht.
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Sicher, das schlechte Gewissen
meldet sich ab und zu. Die ersten Ausflüchte werden parat gelegt.
Man könne halt nicht alles auf einmal wollen. Ein bisschen bedauert
man sich selber wie schwer doch alles sei. Die anderen hätten es da
viel leichter, die könnten essen wie die Scheunendrescher und würden
doch nicht zunehmen. Immerhin ist die neue Zigarettensorte leichter
als die alte. Zwischendurch wird mal ein alkoholarmes Bier getrunken
und statt Burgunderbraten gibt’s gelegentlich Hähnchenbrust. Doch im
Großen und Ganzen ist alles so geblieben wie es war.
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Natürlich war die
Gesundheitsoffensive, die man sich selbst in der Silvesternacht
auferlegt hatte, zum falschen Zeitpunkt gestartet. Der Körper war
darauf nicht mental vorbereitet. Alleine schafft man das nicht, so
die neueste Argumentation. Zehn Kilo in zwei Wochen, so versprechen
uns diverse Anzeigen in der Regenbogenpresse. Die Bilder ‚vorher’
und ‚nachher’ zeigen ein und dieselbe Person als ‚Speckkoloss’ und
wenige Wochen später als ‚elfenhafte Grazie’. Und das mit nur einer
Monatspackung pulverisierter Glückseeligkeit für stramme
einhundertfünf Euro. Jetzt steht die Blechdose in der hintersten
Ecke im Küchenschrank. Sämtliche Spurenelemente und Vitamine
schlummern in der angebrochenen Dose vor sich hin und warten auf den
nächsten Anlauf.
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Und er kommt ... oh ja der wird
kommen!
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Spätestens am Aschermittwoch mit
dem Beginn der ‚Fastenzeit’.
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Meine leidgeprüften
Gewichtsreduzierer und Raucherentwöhner, fassen sie neuen Mut, es
ist nie zu spät. Nehmen sie die schicksalhafte Entscheidung erneut
auf sich. Nie mehr Schweinebraten und Tabakdunst, es werden
glückliche Zeiten anbrechen.
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Ihre Badezimmerwaage wird ihnen
regelmäßig mitteilen wie schlank sie geworden sind. All die lieben
Freunde werden sie beneiden, wenn sie die angebotene Zigarette mit
den Worten ablehnen: „Ich habe aufgehört!“
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Sie denken jetzt schon an die
Sommermonate, in denen sie im figurbetonten Badeanzug Männerblicke
auf sich ziehen. Ihr ‚Waschbrettbauch’ unter dem luftigen T-shirt
wird ihr Stolz sein. Sie werden ein Mineralwasser bestellen und den
wamperten Kerl am Nebentisch mit seinem frisch gezapften Weizenbier
überlegen anlächeln. Wenn sie wirklich mal Verlangen nach einem
Zwiebelrostbraten verspüren, dann ziehen sie ihre Outdoor-Schuhe an,
schnappen sich ihre Skistöcke und rennen per ‚nordic walking’ im
Wald rum. Schöne Zeiten werden anbrechen ohne Rauch und Bratwurst.
Sie werden glücklich sein ... hoffentlich!
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