|
 |
|
-
-
Politikverdrossenheit
-
-
Ein seltsames
Wort „Politikverdrossenheit“. Viele nehmen es in den Mund. Nie ist
dieser Ausdruck positiv belegt. Wir verbinden damit Unzufriedenheit
und Desinteresse. „Die machen da oben ja doch was sie wollen“, ist
eine Aussage, die dazu passt. Viele „mündige Bürgerinnen und Bürger“
haben keine allzu hohe Meinung von denen, die sie irgendwann mal
gewählt haben. Seltsam ist das. Unser Parteienspektrum sollte für die
Allermeisten genügend Differenzierung und Auswahl bereithalten. „Die
sind doch alle gleich“, eine weitere Redensart nicht nur an den
Stammtischen. Wenn die Politik schon mit abfälligen Augen gemustert
wird wie schwer muss es sein, dass sich Frauen und Männer finden, die
sich in der Politik engagieren wollen. Wir hören und lesen immer
wieder, dass sich Politiker persönliche Vorteile verschaffen. Unsere
Medien berichten fast täglich von Unkorrektheiten, ob sie nun legal
sind, unanständig oder sogar kriminell. Da wird von Geldverschwendung
geredet, von Vertuschung oder von Mauscheleien.
-
Die Arbeit in
den Gremien wird selten diskutiert. Läuft etwas seinen gewohnten Gang,
dann ist es für uns keiner Rede wert; aber wehe es werden unpopuläre
Entscheidungen getroffen, dann heult die Öffentlichkeit auf und
brandmarkt alles, was sich „politisch“ nennt. Wir wählen sie um sie
dann zu verachten.
-
Aber,
bitteschön, wer soll sich sonst um unser Gemeinwohl, um unsere
öffentlichen Belange kümmern? Wir sind gegen Mobilfunkmasten und
telefonieren mit unseren Handys wie die Weltmeister. Wir sind gegen
Luftverschmutzung und blasen unsere Abgase auf die Strassen, wir
wollen sauberes Wasser und belasten trotzdem unser Grundwasser. Wir
fordern Ehrlichkeit ein und ...
-
Klar, das sind
die Anderen ... wir doch nicht! Wir zahlen unsere Steuern, trennen den
Müll und engagieren uns für das Allgemeinwohl. Wir alle sind die
mündigen Bürgerinnen und Bürger, die von den Parteien umworben werden.
-
„Man darf doch
mal kritisch seine Meinung sagen!“ Ja, das dürfen wir! Es ist ein
Segen unserer Demokratie. Freies Reden für freie Bürger. Das war nicht
immer so gewesen. In der UNO sind mehr diktatorische Staaten als
Demokratien.
-
Unsere
Demokratie verdanken wir einer beharrlichen Politik, die stets um
Ausgleich bemüht war. Dahinter stehen politisch sehr engagierte Frauen
und Männer die mehrheitlich vom Volk gewählt sind. Sie verdienen
unseren Respekt, auch wenn sie eine andere politische Überzeugung
haben.
-
Da fällt mir ein Spruch
des griechischen Philosophen Plato ein:
-
-
„Diejenigen,
die zu klug sind, um sich in der Politik zu engagieren,
-
werden dadurch
bestraft werden, dass sie von Leuten regiert werden,
-
die dümmer
sind als sie selbst!“
-
Das sollten wir uns „hinter die Ohren schreiben“, wenn wir über jene
schimpfen, die wir gewählt haben.
|