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Das Internet - Feuilleton von Fabrizius
Juli - August - September  2005

 Herzlich willkommen im Blauen Salon

   

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Politikverdrossenheit
 
Ein seltsames Wort „Politikverdrossenheit“. Viele nehmen es in den Mund. Nie ist dieser Ausdruck positiv belegt. Wir verbinden damit Unzufriedenheit und Desinteresse. „Die machen da oben ja doch was sie wollen“, ist eine Aussage, die dazu passt. Viele „mündige Bürgerinnen und Bürger“ haben keine allzu hohe Meinung von denen, die sie irgendwann mal gewählt haben. Seltsam ist das. Unser Parteienspektrum sollte für die Allermeisten genügend Differenzierung und Auswahl bereithalten. „Die sind doch alle gleich“, eine weitere Redensart nicht nur an den Stammtischen. Wenn die Politik schon mit abfälligen Augen gemustert wird wie schwer muss es sein, dass sich Frauen und Männer finden, die sich in der Politik engagieren wollen. Wir hören und lesen immer wieder, dass sich Politiker persönliche Vorteile verschaffen. Unsere Medien berichten fast täglich von Unkorrektheiten, ob sie nun legal sind, unanständig oder sogar kriminell. Da wird von Geldverschwendung geredet, von Vertuschung oder von Mauscheleien.
Die Arbeit in den Gremien wird selten diskutiert. Läuft etwas seinen gewohnten Gang, dann ist es für uns keiner Rede wert; aber wehe es werden unpopuläre Entscheidungen getroffen, dann heult die Öffentlichkeit auf und brandmarkt alles, was sich „politisch“ nennt. Wir wählen sie um sie dann zu verachten.
Aber, bitteschön, wer soll sich sonst um unser Gemeinwohl, um unsere öffentlichen Belange kümmern? Wir sind gegen Mobilfunkmasten und telefonieren mit unseren Handys wie die Weltmeister. Wir sind gegen Luftverschmutzung und blasen unsere Abgase auf die Strassen, wir wollen sauberes Wasser und belasten trotzdem unser Grundwasser. Wir fordern Ehrlichkeit ein und ...
Klar, das sind die Anderen ... wir doch nicht! Wir zahlen unsere Steuern, trennen den Müll und engagieren uns für das Allgemeinwohl. Wir alle sind die mündigen Bürgerinnen und Bürger, die von den Parteien umworben werden.
„Man darf doch mal kritisch seine Meinung sagen!“ Ja, das dürfen wir! Es ist ein Segen unserer Demokratie. Freies Reden für freie Bürger. Das war nicht immer so gewesen. In der UNO sind mehr diktatorische Staaten als Demokratien.
Unsere Demokratie verdanken wir einer beharrlichen Politik, die stets um Ausgleich bemüht war. Dahinter stehen politisch sehr engagierte Frauen und Männer die mehrheitlich vom Volk gewählt sind. Sie verdienen unseren Respekt, auch wenn sie eine andere politische Überzeugung haben.
Da fällt mir ein Spruch des griechischen Philosophen Plato ein:

 

Diejenigen, die zu klug sind, um sich in der Politik zu engagieren,
werden dadurch bestraft werden, dass sie von Leuten regiert werden,
die dümmer sind als sie selbst!“

 

Das sollten wir uns „hinter die Ohren schreiben“, wenn wir über jene schimpfen, die wir gewählt haben.