Es ist
schon eine Weile her, als ich meinen ersten Germknödel verdrückte. Mehr
oder weniger war das Zufall.
Es
fing damit an, dass ich Sonntagmorgens um Halbsieben in den Bus stieg.
Rundherum müde Gesichter, so manche Alkoholfahne wabberte mir entgegen.
Kaum hatten wir das Ortsschild hinter uns gelassen stellte sich der
Busfahrer vor. Heinrich hieß er, wir wussten es eh schon alle.
Irgendwann, als die Straßen schmäler wurden, der Schnee sich höher
türmte bogen wir in einem riesigen Parkplatz ein. Dutzende von Bussen
standen rum. Es wurden Skier ausgeladen und geschultert, Rucksäcke
umgeschnallt. Die Schlange zum Kassenhäuschen schien endlos zu sein.
Eigentlich war es kein Kassenhäuschen sondern eine Wandelhalle aus Beton
und Stahl. Ich überlegte schon, ob es nicht sinnvoller sei eine
Halbtageskarte für den Nachmittag zu kaufen, als Schorsch, der
Skiclubmanager, uns bat neben dem Eingang zur Jausenstation zu warten.
Wie
ein Sonnenuntergang lag er auf dem Teller, die Soße lief cremig von
allen Seiten an ihm herunter. Winzige schwarze Kügelchen verteilten sich
über Allem. Unter dem Plakat stand: ‚Tagesmenü, Germknödel 23 öS’
Der
Schorsch kam zurück und verteilte die Liftkarten.
‚Alle
Sessellifte in Betrieb’ stand auf einem Schild neben dem
Seilbahneingang. Im Geiste sah ich ‚Germknödel 23 öS’. Oben am Ausstieg
stürzten sich die Menschen mit ihren Skiern, ihren roten und gelben
Overalls in die Abfahrtshänge.
‚Bitte
die Pistenmarkierungen nicht verlassen’, darunter war ein kräftiger
roter Strich. Unübersehbar prangte das Schild an einem armdicken
Holzpfosten. Ich las in Gedanken: ‚Germknödel 23 öS’
In
leichter Hocke lenkte ich meine Skier über den Schnee talwärts und
schwang nach wenigen Minuten vor einer Berghütte ab. Da räkelte sich
eine Blondine mit Designersonnenbrille auf der Liege, ihr Anorak war
offen, darunter ein cremfarbener Pulli, der ihre Rundungen betonte.
‚Germknödel 23 öS’ dachte ich für mich und lächelte.
Die
Wintersonne ließ die aufstobenden Schneekristalle in allen Farben
schillern. Die Piste wurde buckeliger, ich spürte ein Ziehen in meinen
Oberschenkeln, Skigymnastik hätte ich mal machen sollen. Weit drunten
sah ich eine Menschenschlange vor dem Lift. Etwas abseits die
Jausenstation, auf dem Dach die rot-weiß-rote Fahne der Alpenrepublik.
‚Germknödel 23 öS’
Da
stand ich am Pistenrand, das Wasser lief mir im Mund zusammen.
Hoffentlich haben die noch welche, wenn ich unten angekommen bin. Die
Blondine flitzte vorbei, ich beeilte mich hinterher zu kommen.
Das
Plakat war nicht mehr da! Der Schreck fuhr mir durch alle Glieder. Ich
hastete in die niedrige Wirtsstube, Zigarettenrauch und allerlei Düfte
stemmten sich mir entgegen. Schweinebraten und Currywurst verschwanden
in den Mäulern. An der Theke war Hochbetrieb. Almdudler und Weißbier
wurde rübergereicht. Jetzt, endlich: „Einen Germknödel bitte!“ mein Herz
hüpfe dabei. Ich zählte 25 Öschi auf die Theke, „der Rest ist für sie!“
Endlich, mein erster Germknödel. Er sah noch viel viel schöner aus als
auf dem Plakat. Das süße Aroma lockte all meine Sinne. In der einen Hand
das Radler, in der anderen den Teller mit meinem Germknödel.
„Tschuldigung,
ist hier noch frei?“ Blaue Augen blitzen mich an, „ja bitte!“ sagte sie,
die Designersonnenbrille lag neben ihrem Teller. Der cremefarbene
Pullover betonte immer noch. Dann aßen wir unsere Germknödel, bissen auf
die winzigen Mohnkügelchen und schleckten das dunkelbraune Zwetschgenmus
auf.