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Das Internet - Feuilleton von Fabrizius
September / Oktober

 Herzlich willkommen im Blauen Salon

   

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Diese Welt ist so schön und doch so grausam

Eigenartig ist das schon was um einen einzelnen Menschen für ein Aufhebens gemacht werden kann. Da ist es egal, ob es ein Entführungsopfer, ein neugeborener Prinz oder der Papst ist. Die ganze Welt schaut zu, bangt mit und fiebert einem Ereignis entgegen. Millionen werden dafür ausgegeben und Millionen werden damit verdient.

Währenddessen kämpft ein namenloser Fischer im ehemaligen Tsunami-Gebiet  ums nackte Überleben, niemand interessiert sich für ihn. Selbst die damals reichlich geflossenen Spenden kommen bei ihm nicht an, sie werden von korrupten Geschäftemachern abkassiert. Die Medienkolonne ist weiter gezogen, es lässt sich kein Geld mehr damit verdienen, also hat sie das Interesse daran verloren.

Gewaltige Verbrechen an der Menschheit werden vom mächtigsten Mann der Welt so ganz nebenbei bestätigt. Ohne mit der Wimper zu zucken, ohne auch nur eines kleinen Fünkchens Unrechtsempfinden werden diese Ungeheuerlichkeiten den sensationsheischenden Medien vorgeworfen. Politiker sind empört, Moralisten und Menschenfreunde wettern dagegen und können doch nur heiße Luft ablassen. Macht kennt keine Menschlichkeit, sie kennt nur Eigeninteresse, ob im Libanon, Afghanistan oder Sudan. Jetzt schickt sich eine Interessenlobby an immer mehr deutsche Soldaten in die Krisengebiete der Welt zu senden.

Nein, wir sind aus unserer Vergangenheit nicht klüger geworden, eher ein Stückchen größenwahnsinniger.

Der Eine bastelt standesgemäß mit Genehmigung der internationalen Atombehörde an der Urananreicherung, der andere will das gleiche tun, darf es aber nicht.

Mit Plausibilität und logischem Denken kommen wir bei solchem Nukleargeschacher nicht weiter, weil wir uns in einer verzwickten Diplomantensprache verheddern und bald nicht mehr wissen warum wer was macht oder verbietet.

 

Wir  ekeln uns standesgemäß und lassen kluge Sprüche über Gammelfleisch und Döner-Mafia ab, es wird dementiert und Schuld hin und her geschoben. Keiner will was gewusst haben. Die Ämter verschanzen sich hinter Paragraphen während sich unsere Parlamentarier um Kompetenzen streiten. Tonnen von Fleisch vergammelt in den Kühlhäusern einer übersättigten Gesellschaft während auf der anderen Seite der Welt Kinder sterben weil sie nichts zu essen haben.

Es ist eine verkehrte Welt, schön und grausam, machtbesessen und machtlos. Wir gehören alle dazu.