|
|
|
Geschenke
-
So Manchen quält die Frage, andere
gehen lässig damit um. In den Wochen vor Weihnachten ist sie die
meistgestellte Frage. Was schenke ich?
-
Auf der einen Seite ist die
Erwartungshaltung des zu Beschenkenden, auf der anderen Seite der
Geldbeutel des Schenkenden. Dadurch wird eine Antwort auf diese Frage
eingegrenzt. Sicher, der Spielraum ist nicht für jeden gleich, aber
für die meisten Leute besteht ein deutliches Limit nach oben. Der
finanzielle Rahmen ist schnell abgesteckt, das macht in der Regel
keine Probleme. Aber, die eigentliche Antwort auf die Frage: "Was
schenke ich?", ist um vieles schwieriger. Da herrscht Ratlosigkeit.
Wunschzettel sind nicht so häufig um aus dem Dilemma zu helfen. Der
nüchtern denkende Zeitgenosse verschenkt Geld. Kauf Dir davon was Du
willst. Das ist cool und bei den Jungen durchaus beliebt. Allseits
beliebt ist der Gutschein. Hier legt der Schenkende zumindest eine
Richtung fest. Damit kann er nur in einem Buchladen oder Feinkostladen
einkaufen. Nachweihnachtliche Umtauschaktionen sind bei einem
Gutschein eher selten.
-
Aber dann wird es kritisch. Nun tauchen
die heiklen Fragen auf. "Passt das Geschenk zu ihm?" – "Freut sie sich
über so was?" – "Ist das nicht zu persönlich?" – "Hoffentlich versteht
er mich nicht falsch, wenn ich ihm das schenke."
-
Je ausgefallener ein Geschenk desto
besser müssen wir den Menschen kennen, den wir beschenken wollen.
-
Damit aber nicht genug. Soll es was
Zeitloses sein oder etwas was momentan im Trend liegt? Können
Freunde, Verwandte oder Arbeitskollegen einen Tipp geben? Über
Geschmack lässt sich trefflich streiten. Schenkt man einem Klassikfan
eine Heavy Metal CD, dann grenzt das an Beleidigung. Unweigerlich
müssen wir uns darüber Gedanken machen, weil viele Fettnäpfchen um uns
herumstehen.
-
Wenn der Geldbeutel ganz schmal ist,
dann müssen Ideen und Kreativität die Moneten ersetzen. Was selber
Angefertigtes, ob gemalt, gebastelt, getöpfert, gebunden, gebacken
oder gesammelt, hier wird das Schenken zur Kunst.
-
Der Beschenkte freut sich anders und
intensiver über diese Gabe. "Er hat sich Zeit für mich genommen", das
ist mehr, wertvoller als ein paar Euro, die über die Ladentheke gehen.
-
Nicht nur die Gabe selber, auch die
Zeit ist ein Geschenk.
|