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Das Internet - Feuilleton von Fabrizius
Sept. - Dezember 2007

 Herzlich willkommen im Blauen Salon

   

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Geschenke

So Manchen quält die Frage, andere gehen lässig damit um. In den Wochen vor Weihnachten ist sie die meistgestellte Frage. Was schenke ich?
Auf der einen Seite ist die Erwartungshaltung des zu Beschenkenden, auf der anderen Seite der Geldbeutel des Schenkenden. Dadurch wird eine Antwort auf diese Frage eingegrenzt. Sicher, der Spielraum ist nicht für jeden gleich, aber für die meisten Leute  besteht ein deutliches Limit nach oben. Der finanzielle Rahmen ist schnell abgesteckt, das macht in der Regel keine Probleme. Aber, die eigentliche Antwort auf die Frage: "Was schenke ich?", ist um vieles schwieriger. Da herrscht Ratlosigkeit. Wunschzettel sind nicht so häufig um aus dem Dilemma zu helfen. Der nüchtern denkende Zeitgenosse verschenkt Geld. Kauf Dir davon was Du willst. Das ist cool und bei den Jungen durchaus beliebt. Allseits beliebt ist der Gutschein. Hier legt der Schenkende zumindest eine Richtung fest. Damit kann er nur in einem Buchladen oder Feinkostladen einkaufen. Nachweihnachtliche Umtauschaktionen sind bei einem Gutschein eher selten.
Aber dann wird es kritisch. Nun tauchen die heiklen Fragen auf. "Passt das Geschenk zu ihm?" – "Freut sie sich über so was?" – "Ist das nicht zu persönlich?" – "Hoffentlich versteht er mich nicht falsch, wenn ich ihm das schenke."
Je ausgefallener ein Geschenk desto besser müssen wir den Menschen kennen, den wir beschenken wollen.
Damit aber nicht genug. Soll es was Zeitloses sein  oder etwas was momentan im Trend liegt? Können Freunde, Verwandte oder Arbeitskollegen einen Tipp geben? Über Geschmack lässt sich trefflich streiten. Schenkt man einem Klassikfan eine Heavy Metal CD, dann grenzt das an Beleidigung. Unweigerlich müssen wir uns darüber Gedanken machen, weil viele Fettnäpfchen um uns herumstehen.
Wenn der Geldbeutel ganz schmal ist, dann müssen Ideen und Kreativität die Moneten ersetzen. Was selber Angefertigtes, ob gemalt, gebastelt, getöpfert, gebunden, gebacken oder gesammelt, hier wird das Schenken zur Kunst.
Der Beschenkte freut sich anders und intensiver über diese Gabe. "Er hat sich Zeit für mich genommen", das ist mehr, wertvoller als ein paar Euro, die über die Ladentheke gehen.
Nicht nur die Gabe selber, auch die Zeit ist ein Geschenk.