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Das Internet - Feuilleton von Fabrizius
Jan. - April 2008

 Herzlich willkommen im Blauen Salon

   

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Rauchen Sie noch ?

Ja? Trotz staatlicher Verordnung? Na, Sie sind mir aber einer! Da wollen die da oben nur das Beste und was machen Sie? Sie boykottieren das Rauchverbot, gründen Raucherclubs und wählen keine CSU mehr. Was soll das denn? Aber jetzt wird es ja gelockert, das Rauchverbot - in Kneipen, Bierzelten und Wirtshäusern. Die da oben sagen es jedenfalls.

Die Rolle rückwärts mit Plausibilitätspirouette ist angedacht.

Waren es bisher die Raucher, die sich diskriminiert fühlten, so sind es jetzt die Nichtraucher, die sich veräppelt vorkommen. Besonders die Exraucher, die zwanzig Jahre und mehr dem blauen Dunst frönten, gehen auf die Barrikaden. Früher verpesteten sie über Jahrzehnte ihre Lunge mit Nikotin und Teer, nun, von Rauchschwaden geläutert, wollen sie keinen Jota vom neuen Gesetz weichen. Der Spagat der Staatsregierung wird gewaltig. Da sind der Transrapid und die Schulreform in bayerischen Landen Nebensache. Sicher wird es einen Untersuchungsausschuss geben, paritätisch besetzt mit Rauchern und Nichtrauchern. Sie werden debattieren, sondieren und Dinge sagen, die schon tausendmal gesagt wurden. Sie werden Fachgutachten einholen, die klammheimlich von der Zigarettenindustrie gesponsert sind.

Von Raucherzonen und Zugangskontrollen ist die Rede, von grundlegender Neuausrichtung und Vorfestlegungen - Geschwätz halt. Vom Raucherclub zum Debatierclub mutieren sie, heben ab und geben vor, nur das Beste zu wollen. Sie kassieren die Tabaksteuer und fabulieren vom Vertrauen der Menschen in die Geradlinigkeit und Seriosität ihrer Politik, die tief erschüttert sei. Geschwätz und noch mal Geschwätz ist das. Sie balancieren mit der Sorge um die Gesundheit und haben doch nur die verlorenen Wählerstimmen vor Augen.

Dabei wäre es so einfach. Überlasst dem Bürger die Entscheidung. Die Gastronomie ist selbst in der Lage eine Regelung herbeizuführen, die für Alle akzeptabel ist. Niemand muss in eine Raucherkneipe gehen. Wenn Ämter und Schulen, Krankenhäuser und Behörden rauchfrei sind, wird das Niemanden aufregen. Dort, wo der Staat Hausherr ist, soll er bestimmen was Sache ist. Schafft keine Feindbilder. Vertraut auf den gesunden Menschenverstand der Bürgerinnen und Bürger. Geht in die Kindergärten und Schulen und klärt über das Rauchen auf, aber bitte bevormundet uns nicht.

 

   

 

Märchen

Warum ich gerade zu Wahlkampfzeiten auf dieses Thema komme weiß ich nicht. "Erzähl mir keine Märchen", ist die Auforderung bei der Wahrheit zu bleiben. Dabei sind Märchen Kulturgut. Alle Völker dieser Erde haben Märchen. In vergangenen Zeiten wurden sie mündlich überliefert. Märchen- und Geschichtenerzähler verbreiteten sie, erfanden neue, von Generation zu Generation wurden sie übermittelt. Erst viel später wurden sie niedergeschrieben. Berühmte Sammlungen sind die "Kinder- und Hausmärchen" der Gebrüder Grimm, die 1812 erschienen. In Frankreich wurden die ersten Märchen 1697 als "Feengeschichten" von Charles Perrault aufgeschrieben. Wilhelm Hauff (1802-1827)veröffentlichte seine Märchenbücher "Die Karawane", Der Scheich von Alexandria" und "Das Wirtshaus im Spessart". Der Däne Hans Christian Andersen (1805-1875) war ein exzellenter Märchendichter. Aus seiner Feder stammen so berühmte Märchen wie "Die Prinzessin auf der Erbse" und "Des Kaisers neue Kleider". Die Erzählungen aus 1001 Nacht erlangten nicht nur im Orient Berühmtheit. In all diesen phantastischen Geschichten ist im wahrsten Sinne des Wortes ein "Körnchen Wahrheit" verborgen. Fabelwesen, Riesen und Ungeheuer treiben ihren Schabernack mit den Menschen. Sie erinnern ihn an seine Tugenden und seine Laster. Armut und Reichtum werden auf phantastische Weise ins Gegenteil verkehrt. Märchen zeigen uns allen, dass Glück und Unglück ganz nahe beieinander liegen. Was in der realen Welt unmöglich erscheint wird in den Erzählungen lebendig.
In unserem Alltag sind Märchen eine willkommene Abwechslung.
Märchen sind zeitlos und das ist das Besondere an ihnen. Sie erwecken Sehnsüchte und rühren unsere Herzen. Die Phantasie erscheint grenzenlos, alles wird möglich.
Aber wie ist es bei der oben zitierten Aussage: "Erzähl keine Märchen."
Wenn ich mit dieser Anrede begrüßt werde, dann erwartet mein Gegenüber eine Lüge von mir und fordert mich deshalb auf die Wahrheit zu sagen.
Bin ich jetzt beleidigt oder überhöre ich das geflissentlich?
Oder kontere ich mit dem Spruch: "Märchen, mein Lieber, sind geflügelte Worte, die zum Nachdenken zwingen."