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- Das Internet - Feuilleton von Fabrizius
Jan. - Febr. 2009Herzlich willkommen im Blauen Salon
Wir leben im einem glücklichen Land
Es war am Neujahrstag frühmorgens. Die Straßen waren Menschenleer und der Silvestermüll lag auf dem Asphalt. Ich besah mir die bunten Papierschnippel, malträtierten Raketenhülsen und zerfetzten Böller und musste unwillkürlich an die Weihnachts- und Neujahrsreden unserer Würden- und Mandatsträger denken. Da lag er vor mir, der Wohlstandmüll 2008. Im Kopf schwirrte kein Restalkohol herum, sondern die überschwänglichen Worte der Politischen und Klerikalen. Die einen lamentieren wie schlecht die Welt sei, die anderen geißeln den Mammon und fordern Rückbesinnung. Beide Ermahnen und halten mit ihren Ratschlägen nicht hinter dem Berg. Die wohl formulierten Worte strotzen vor Kompetenz, die nicht hinterfragt wird und Allgemeinplätzen, die platter nicht sein können. Man selber habe ja Alles richtig gemacht, aber die Anderen. Ein Millionenpublikum sieht und liest die Ergüsse, die hinausgeschleudert und tausendfach kommentiert werden.
Viele fühlen sich um die Jahreswende berufen in den Chor der Beliebigkeit einzustimmen. Im perfekt ausgeleuchteten Fernsehstudio dozieren sie zum Volk und aus den Titelseiten der Gazetten springen uns ihre belehrenden Sätze entgegen. Von der Kanzel fliegen die Worte über die Kirchenbänke.
Es werden immer wieder die selben Geister beschworen, die gleichen Plattitüden über die Lippen gepresst, mal kämpferisch, mal neunmal klug, mal lamentierend. Ob Bischof, Bundespräsident oder Gewerkschaftsfunktionär, sie alle hätten es anders gemacht, wenn sie nicht genau so blind wie wir alle gewesen wären. Nur, - Letzteres sagen sie nicht. Wir leben in einem wunderbaren Land, etwas gebeutelt von der Weltwirtschaftskrise, die keiner recht wahrhaben will. Wir wundern uns, wie braune Horden den Staat herausfordern und wie hoch dotierte Finanzjongleure den Karren in den Dreck fahren. Erstaunt schauen wir zu, wie Politiker um Lösungen streiten, mit dem Hintergedanken wie sie das vor uns liegende Superwahljahr am besten für sich zu nutzen. Es wird viel geredet und wenig zugepackt. Das Taktieren um Vorteile und das Geschachere um Ämter und Pöstchen hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Wir leben in einem wunderbaren Land weitab von Luftangriffen und Raketenbeschuss, wir tauschen Weihnachtsgeschenke um und planen den kommenden Jahresurlaub. Wir streiten uns um Nichtraucherzonen, diskutieren über Gentechnik und Klimawandel. Wir leben in einem glückliches Land.
Zitat:
Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat's gemacht.
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