
- Internetistische Gedanken
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- Jeder kann wenn er kann!
- Genau!
- So besehen ist das in Ordnung. Nur können muss man
schon können, sonst kann man nicht!
- Bis vor 4 Wochen konnte ich auch nicht!
- Und dann habe ich mir gesagt:
- ‚Das kann ich auch!’
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- Nun bin ich im Internet mit einer
eigenen Homepage!
- Boah!
- Klasse!
- Und jetzt?
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- Was?
- Habe ich überhaupt was mitzuteilen?
- Wen interessiert das eigentlich?
‚Lassen sie sich in
200 Suchmaschinen eintragen!’
- Hei, phänomenal!
- Mach ich!
- Nur...
- Was sollen die Maschinen suchen?
- Uff...
- Ich habe ja noch gar nichts reingeschrieben.
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- Mit was? Html?
- Was iss’n das?
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- Oh Mann!
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Fußball
- Juve... Real... Lazio.. göttlich verklärter Fußballhimmel
durchbrochen vom melancholischen Schrei eines einsamen Fans, inmitten
einer Meute Besessener.
- Dein Querpass ist angekommen.
- Auch wenn sie noch so kreischen, ihre Halbgottheiten zwischen
Haarschampon und Investmentfonds anhimmeln,
- <uff`m Platz ist halt uff`m Platz>.
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- Da wird ein Rinaldo zum Inbegriff, eine Femina ... nicht auszudenken.
Mag eine Kurnikowa schlägerschwingend Männerherzen höher schlagen
lassen, eine kickende Kurvenschönheit ... unvorstellbar!
- Die Ersatzdroge Frauenfußball ist billiger Abklatsch, abschreckend.
In die Männerdomäne Fußball einbrechen? Überall sonst, bei Rennfahrers,
bei Catchers, bei Boxers, aber im Fußball? Eindeutig nein!
Das ist Naturgesetz. Zuerst schuf Gott den Ball. Alles mögliche wurde
damit angestellt und alle bekamen einen Ball und spielten!
- Dann schuf Gott <das Leder> <die Kugel>, <die Pille>,
- <die Granate>, <die Bombe>.
- Damit wurde gepasst, gekickt, geschlenzt, gelupft, geschossen,
geköpft, gewuchtet, reingehauen. Spielen ... nur spielen, wollte keiner
damit.
- Auch werfen, - Fehlanzeige - das macht ja jeder.
So kam man auf die Füße, diese Treterchen sollten noch für was anderes
herhalten als nur Laufen. Und so erschuf Gott den Fußball. Er weihte ihn
dem Manne, gab ihm die Kraft einer Völkerwanderung und die Haushaltsmittel
eines Kleinstaates.
Gott verlieh dem Fußball den Touch eines Märchens aus
Tausend-und-einer-Nacht; lies den kleinen brasilianischen Slumjungen zum
umjubelnden Weltstar werden. Ein moderner Hans im Glück.
Giovane Elber und wie sie alle sonst noch heißen zelebrieren ihre Kunst
in modernen Sakralbauten, die sie Fußballarena nennen.
- Der Mann erhebt seinen Fußball in der Beliebtheitsskala auf Platz
drei bis eins, je nach Autotyp und sexueller Aktivität.
- Weltumspannende Ereignisse werden in den Rundfunk- und
Fernsehberichten zugunsten des Fußballs unterbrochen; wenn ManYu stürmt
und Daum kokst ...!
- Selbst diplomatische Beziehungen zwischen sonst durchaus
ernstzunehmenden Staaten kommen ins wanken, wenn der Fußballgott, sein
Name ist Platter, die kommende WM verkündet.
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- Ganze Charaktere werden beschrieben, brasilianische Brillanz,
deutscher Einsatzwillen, englische Härte, italienischer Ballzauber.
- Nur für Österreich wurde noch kein passendes Wort erfunden. „Haiderisch
reaktionär" hat erstens zu wenig mit Fußball zu tun und zweitens stürmen
die Alpenmaradonnas nicht nur über Rechts Außen.
Nun warte ich bis Beckenbauer zum Papst gewählt wird, denn unfehlbar
ist er schon jetzt!
Der mühsame Weg einen Text zu machen
- Unüberwindbare Leere lässt die wenigen Gedanken in den Abgrund
stürzen. All die Poesie, die blumenreiche Erzählung meiner Phantasie ist
verloren.
- Gerade eben Aufkeimendes verdorrt augenblicklich.
- Ein weites Nichts über den Horizont hinaus
- erstickt jedes einzelne Wort, dass noch unausgesprochen auf den
Lippen liegt. Kraftlos das leere Blatt Papier,
- Weit weg ist jeder Inhalt, geblieben nur ein Schatten,
- der selbst auch an Kontrast verliert.
Der erste Satz
- Er will nicht hinaus. Ganz da hinten, genau, vorletzte
Gehirnwindung, noch weiter, jetzt!
- Der erste Satz, er dreht, sich windet sich, streicht sich selbst
durch, verdreht Substantiv und Verb, schleudert ein Adjektiv nach um
gleich danach ein Füllwort zu verstoßen. Ein Adverb steht zitternd in
der Hirnwindungsecke und muss um seinen Einsatz bangen.
- Das ist schon ein Kreuz mit dem ersten Satz!
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- Generationen von Schreiberlingen malträtieren das Sprachzentrum
ihrer Gehirnhemisphäre, kneten Gyri und warten auf den erlösenden
Ausstoß nur eines einzigen Satzes.
- Endlich liegt er in der Schublade. Moderne Literaten gebrauchen
dieses alte Wort immer noch, obwohl Schublade nur noch symbolhaft für
Festplatte genannt wird.
- Trotz Bit und Byte, die Geburt des ersten Satzes ist äußerst
kompliziert. Ist er endlich unter vielen schmerzlichen Versuchen
geboren, so ist sein Dasein alles andere als gesichert. Da droht das
Durchstreichen, das Zusammenknüllen, das In-den-Papierkorb-werfen. Auch
das ist nur noch symbolisch zu sehen.
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- Heutzutage heißt das 'Markieren und Löschen' und geht nicht mit
Tinte sondern mit der Maus! Der Federstrich ist von der Löschtaste
abgelöst worden.
- Nur... im Papierkorb was Zusammengeknülltes suchen ist machbar. Das
auf der Festplatte gelöschte zu rekonstruieren setzt Kenntnisse voraus,
die nicht unbedingt in einem Literatengehirn abgespeichert sind.
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- ... Jetzt find ich den Schluss nicht mehr! Wo ist mein Schluss?
- Da bin ich doch wirklich mit meiner Maustaste zu ungeschickt
umgegangen...
- Wo ist mein Schluss?
Vom Sehen und Gucken
- Gucken kann nicht jeder, das ist ne' ganz eigene Betrachtungsweise!
- 'Schauen' und 'Sehen' sind gegenüber dem 'Gucken' blass!
- 'Gucken' ist viel variabler einzusetzen.
Natürlich gerade im Dialekt. 'Sehen' bleibt 'sehen'! Aber Gucken wird
im Hessischen zum 'ei gug' e'mol!' Dies jetzt auch noch sächsisch hier
wiederzugeben ist unmöglich, die Tastatur müsste um ein Vielfaches
erweitert werden.
Flugs (oder schreibt man das 'fluks') ist aus dem 'guck' ein 'gug'
geworden. selbst das überhochdeutsche 'Kuck' ist vorstellbar. Sprachlich
gesehen kommt das wohl nicht vom Vogel 'Kuckuck'.
Obwohl das Wörtchen 'Kuckuck' auch eine eher neckische Aufforderung zum
zurückschauen oder herschauen sein kann. Kinderwägen könnten ein Lied
davon singen wie viele Male in sie hinein schon 'kuckuck' gerufen wurde.
- So ist das halt. Der eine kuckt, ein anderer guckt und ein nächster
Zeitgenosse gugt
- Ganz aus dem Süden fremdländische Töne - 'luaget' oder 'luaged', je
nach Tonfall und Intensität der Aufforderung.
- Übersetzung: 'luaget no' heißt soviel wie 'schaut hin' oder 'schaut
nach'.
Der Ursprung ist wohl schwäbisch alemannisch , - aber auch das
Bajuwarische bedient sich dieses Ausdrucks. Das ist alles nicht 'nach der
Schrift', - das bräuchte ein kompliziertes eigenes phonetisches Alphabet!
- Von den anderen Variationen will ich schon gar nichts mehr
interpretieren.
- Vom 'klotzen' über's 'stieren' bis hin zum 'starren'.
- 'Sehen' wird unter diesen Wortgebilden zum 'farblosen Etwas'.
Da schaust' mal wie der guckt, wenn er klotzt!
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