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Texte und mehr |
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Die kleine Schwester Warten |
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Die kleine
Schwester
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Eine Lehrstunde über das Totsein Wie das in unserer modernen Welt so üblich ist, hat man mit dem Leben schon seine liebe Not, so kennt man sich beim Sterben gleich gar nicht aus. Als blutjunger Assistenzarzt wurde ich zusammen mit zwei Rettungssanitätern aus dem Klinikalltag hinauskatapultiert. Auf einer schmalen, kurvenreichen Landstraße fuhren wir hinauf in den Wald. Für die Einheimischen ist es "d' Woid", das Waldgebirge östlich der Donau. Durch das enge Tor ging es hinein in den Hof, vorbei am Hundezwinger. Abgeschaltet wurden Blaulicht und Martinshorn erst vor dem Wohnhaus. Das Hundegebell dauerte an. Auf einen Pfiff hin beruhigte sich der Köter. "So viel Krach ist er nicht gewohnt", meinte ein stämmiger Mann an der Haustüre. "D' Oma, hinten in der Kammer". Mit dem Arm deutete er ins Haus hinein. Die Sanitäter und ich rannten ins Haus, durch die Wohnstube über eine Holzschwelle hinein in die halbdunkle Kammer. Die Bettdecke zurück, leblos lag die alte Frau in den Kissen. Venöser Zugang, Schläuche, EKG, Intubation, Beatmung, Herzmassage, alles lief professionell ab. Der Beatmungsbeutel wechselte sich im Takt ab mit der Herzmassage. Ein Metronom konnte nicht genauer sein.
Auf Antwort mussten wir nicht lange warten. Ein älterer Herr kam herein, Jeans, dunkler Rolli, die typische Doktortasche am Arm. "Grüß Gott, - Kollegen - Dr. Bichler", so stellte er sich vor. Ah, - wohl der Hausarzt der Alten. Überrascht streckte ich ihm die Hand entgegen.
"Mit dem Sterben haben wir schon seit Tagen gerechnet", mischte sich der Bauer ein, "ich war den ganzen Tag im Holz, meine Frau ist seit heute morgen in der Stadt. Am Nachmittag dann, ich schau' in die Kammer, ist d' Oma tot. Ich wusste jetzt auch nicht was ich so machen muss, mit dem Totenschein und allem, - da habe ich dich halt angerufen!"
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Was ist Sterben? Mit 9 Jahren bekam er sein Bein amputiert, - Knochenkrebs, - mit 11 1/2 war es soweit. Rede mal mit einem 11 Jährigen Buben über das Sterben, - nein, nicht über "das" Sterben, - über "sein" Sterben! Nicht irgendwann mal, - jetzt! Ich hatte mir ganz fest vorgenommen dieses Kind "bewusstlos zu Spritzen", - solange bewusstlos zu halten bis es vorbei ist. Mit wachen Augen und klarem Verstand ist er gestorben. Was ich in diesen letzten Stunden zusammen mit dem Buben erlebt habe... Prägt ein ganzes Leben. "Was ist Sterben?" - hat er mich gefragt, - "Schlafen... und dann nicht mehr Aufwachen", gab er sich selbst die Antwort.
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Was ist Leben? Ein Bündel Kleider, mein Gott... Der junge Sanitäter stürzt mit diesem Kleiderbündel auf dem Arm herein. "Es lebt noch!" - schreit er hysterisch.
"Es lebt noch..." - Herr im Himmel...
Zusammen mit meinem Sohn Florian geht Sonja in den Kindergarten. Der Eisenbolzen hat die Schädeldecke zertrümmert, - Blut... Die Beatmungsmaschine gibt den Rhythmus vor... 5 Jahre, - ein zierliches Mädchen... Florian wird mich fragen, wenn ich heim komme: "Wie geht es Sonja?" ...was soll ich ihm sagen? ...Blut - "Papi, warum hast Du ihr nicht geholfen?" ...Blut
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Jessica
Verloren kauert die kleine Jessica am Ende des Flures. Ihr Vater wird mit schweren Verbrennungen im Schockraum versorgt. Die Fahrt in den Urlaub. Der Wagen kam ins Schleudern. Knallte gegen einen Brückenpfeiler. Jessica kroch aus dem Heckfenster. Sekunden später starb ihre Mutter in den Flammen. Was mache ich mit diesem Kind?
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