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Texte und mehr

Inhalt:
Geheime Leiden
Die Radltour
Im Biergarten
Morgenstund hat Gold im Mund
   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geheime Leiden

Von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter einer Universitätsklinik werden neben den normalen ärztlichen Aufgaben auch Tätigkeiten in der klinischen Forschung verlangt.

Seit ein paar Wochen hatten wir, ein Team von fünf Gefäßspezialisten, ein neues klinisches Forschungsprojekt in Angriff genommen.
Einige Männer, unter den Vielen die können, können nicht mehr. "Der Zeugungsakt ist nicht mehr vollziehbar", so steht es in den Lehrbüchern. Genau... der "stramme Max" wird nicht mehr so stramm, dass er seiner ureigensten Aufgabe nachkommen kann.
Es geht Nichts mehr!

Die Ursachen, dass diese fruchtbarkeitsspendenden Schwellkörper nicht mehr schwellen sind bekannt. Mal ist es die Leber, mal der Zucker, mal die Psyche... aber auch gefäßbedingte Schlaffies gibt es! Dann ist die Arterie, die vorher genügend Blut in den Schwellkörper gepumpt hat, verkalkt. Dieses verkalkte Rohr bringt die Power nicht mehr in den "Hans-Ludwig", er bleibt schlaff.

Wir Fünfe hatten eine Gefäßoperation ausgetüftelt, die eine noch gesunde Schlagader, aus der Bauchdecke an diesen Schwellkörper umleitet. Und... es funktionierte... der vorher so Schlaffe wurde nach der Operation wieder flügge und erfreute sich so mancher lustspendenden Stunde.

Als Wissenschaftler wollten wir diesen Erfolg nicht nur auskosten, sondern ihn auch statistisch objektivieren. Also haben wir alle operierten Patienten nachuntersucht und nach den erfreulichen Ereignissen gefragt. So ein Ereignis wurde auf der Karteikarte mit der Buchstabenfolge "MIBWA" dokumentiert.
Regelmäßig wurden wir nach diesen Buchstaben gefragt. Ich will es erzählen, wie es dazu kam.
 
Unsere damals so erfolgreiche Operationsmethode war durch Kongresse und Fachpublikationen bekannt geworden. So kamen die leidgeprüften Nicht-mehr-Könner aus ganz Deutschland zu uns. Aus Berlin reiste ein Taxifahrer an, um sich operieren zu lassen. Mit seiner Berliner Schnauze erklärte er sein Problem: "Det geht nich mer! - Tu mich da wat schnipseln, damit er wieder stramme kommt!"
Mit einem bedenklichen Gesicht lamentierte er weiter.
"Ne, ne, halb Berlin heult schon, ick muss ma ja so schämen vor de Mädels!"
Wir hatten ein Erbarmen mit ihm, er wurde operiert und konnte auch bald unsere Klinik in Richtung Berlin verlassen. Eindringlich baten wir um eine Nachuntersuchung in vier Wochen.
"Det mach ick, janz jewiss, ick komme, kann`s de druf verlassen!"
 
So ganz geglaubt haben wir es ihm nicht, jedenfalls habe ich nach drei Wochen einen Fragebogen nach Berlin geschickt.
Auf den Tag genau, geht die Tür zu meinem Sprechzimmer auf, meine Sekretärin will den unflätigen Eindringling schon hinauskomplimentieren. Die anderen Patienten schauen recht vorwurfsvoll.
Da steht er in der Tür, schwenkt den Fragebogen und schreit über das ganze Wartezimmer
"Männeken - Ick - Bumse - Wieder - Alles"

Jetzt fliegt er auf mich zu und umarmt mich. Erst meine Sekretärin kann ihn soweit beruhigen, dass er sich zu den Anderen ins Wartezimmer setzt.

Auf seine Karteikarte schrieb ich das erste mal die ominösen Buchstaben "MIBWA", die später den Erfolg der Operation dokumentierten.

 

 

 

 

Die Radltour

Heute hat der Radfahrer, - Entschuldigung "Biker", kein Fahrrad mehr, er hat ein Citybike, ein Mountainbike oder ein Allroundbike oder ein Multifunktions-was-weis-ich-nicht-noch-alles-Bike. Das einzige was diese Tretmaschinen noch mit einem gemeinen Fahrrad gemeinsam haben, sie müssen in die Pedale getreten werden. So einfach mir nichts dir nicht aufsteigen und losstrampeln, das gehört der Vergangenheit an. Das Outfit muss stimmen. Angefangen bei der Radlhose, das ist nicht einfach Hose, das ist eine Acryl-latex-dehn-wear mit integrierter Stoß-schluck-Geleinlage. Die Spezial-einklink-schuhe verbinden den Biker mit dem Bike zu einer Tret-kraft-Einheit. Das Radlhemd ist kein Hemd, es ist ein Anti-schwitz-Gewirke mit automatischer Schweißvernichtung. Und erst der Radlhelm, der ist eine futuristische Leicht-Plastik-spritz-Schale mit anatomisch geformten Hinterkopfaufnehmern. Spezialradlhandschuhe und Spezialradlsocken mit Umluftkühlung komplettieren den radfahrenden, nein bikenden Out-door-fun-Treibenden.

Die Kraft des Radlfahrers wird nicht einfach über die Pedale auf die Räder gestemmt, nein dazwischen ist eine japanische 137 Gänge - Spezialkettenschaltung mit automatischer Kettenstraffung und permanenter Kettenschlupfölung. Statt Apfelschorle in der Sportflasche ist es ein Gesöff aus Multivitaminen und Spurenelementen. Keine Knacker mit Semmel sind im Verpflegungspack sondern ein Bio-Eiweis-Kohlehydrat-Balaststoff-Keks mit Andauhilfe.

Über einen digitalen Kilometerzähler mit Geschwindigkeitsmessung kann jederzeit die persönliche Leistung per Infrarot-fernübertragungsbordcomputer abgefragt werden. Zu allem Überdruss ist auch noch ein Handyhalter auf dem carbonbeschichteten Lenkrad montiert.

Und weil dieses Handy gerade gepiept hat bin ich trotz meiner Achtpunkt-Kombinationsbremse mit Verzögerungsautomatik über eine Bordsteinkante gedonnert und auf die Schnauze gefallen. Schließlich kann sich auch ein High-tech Gefährt einen Achter im Vorderrad einfangen, dann sieht es genau so bescheuert aus wie ein einfacher Drahtesel.

 

Im Biergarten

Aufgepasst Bayern, nicht nur bei euch gibt es Freiluftgastronomie, auch weiter im Norden kennt man so etwas, dort heißt es nicht Biergarten sondern Gartenwirtschaft. Übrigens, das süffige Bier in Maßkrügen serviert, hat auch seine Nachteile. Wenn einer nicht gerade ein "Quartalsäufer" ist, dann wird die untere Hälfte der Maß recht bald lack und schal. Da lobe ich mir schon eher eine gut gezapfte Halbe, die kann ich noch in angemessener Zeit einigermaßen süffig und frisch verkosten.

Biergarten ist aber nicht ausschließlich Biertrinken, Biergarten ist auch Freunde treffen, zusammensitzen, vom Wandern erholen, Brotzeit machen, Flirten. In meiner Sturm und Drangzeit sind mir im Biergarten immer die besten Flirts gelungen, lang - lang ist`s her. Und Kultur, ja Trinkkultur hat ein Biergarten auch, Kultur ist alleweil drin in so einem Biergarten.

Alleine die Kunst einen Radi zu schneiden. Nicht mit dem halbautomatischen Radischneider, nein ganz einfach mit dem Taschenmesser. Ich löse immer eine kleine Revolution in einem Biergarten aus, wenn ich mir einen Radi bestelle und die Kellnerin bitte mir diesen Radi nicht geschnitten zu bringen. Ein Raunen geht durch die benachbarten Biertische. Zunächst verstohlene Blicke rüber zu mir. Ist der Radi serviert in seiner noch ganz unschuldigen Pracht, dann zücke ich mein Taschenmesser, am Nebentisch werden die Hälse länger und länger. Der will doch nicht etwa mit diesem Taschenmesser - geht das überhaupt?

Zum besseren Verständnis, da werden jetzt keine Scheiben runtergeschnitten, nein, mit dem Messer werden akribisch Schnitt für Schnitt in einem bestimmten Winkel zueinander gelegt. Es entsteht eine Art Ziehharmonika aus lauter zusammenhängenden Radigirlanden. Nach den ersten Schnitten höre ich schon verhaltenen Applaus von meinen Tischnachbarn.

Die Kellnerinnen stehen in respektvoller Entfernung und beobachten meine filigrane Arbeit. Ein Zehnjähriger hat sich vor meinen Tisch gestellt. Ich weiß nicht was ihn mehr interessiert, der Radi oder mein Taschenmesser. Mit dem Salzstreuer würze ich die Radigirlande fachgerecht ein. Bald bin ich umringt von lauter g`standenen Urbayern, einer kommt aus Augsburg, einer aus Salzburg, aus dem Rheinland sind gleich drei dabei, alle fesch in Hirschledernen und Janker, die Haferlschuh nicht zu vergessen.

Nach einem kräftigen Schluck nehme ich das erste Stück Radi. Zusammen mit einer Brez`n verputze ich mein Kunstwerk. Das Taschenmesser wandert zurück in die Hosentasche. Ein zweites Bier ist bei der Kellnerin in Auftrag gegeben. Frisch gestärkt flirte ich mit meiner Frau, die mit den Enkelkindern vom Brotzeitstand zurückkommt, in jeder Hand einen Teller mit maschinell geschnittenem Radi. Ich verstehe die Welt nicht mehr, die Biergärten sind auch nicht mehr das was sie einmal waren.

 

Morgenstund' hat Gold im Mund

Moin! - Na?

Oh weia, - mein Lieber!

Heute siehst Du aber nicht gut aus!

Hm, was ist mit Rasieren?

Komm, komm!

Dir hängt der Whisky jetzt noch mitten aus der Fresse!

Ein Glück, dass ich nicht riechen kann!

Also nicht Rasieren?

Kommt auch nicht mehr d'rauf an!

Wie Du ausschaust!

Bah!

Zuviel Zigaretten auch noch, was?

Hey, wo bist Du?

War's das schon, - heute Morgen?

Muss ‚ne ordentliche Sause gewesen sein!

Ist's jetzt leichter?

Oh Mann!

Schau in mich!

Geh' am besten gleich wieder ins Bett!

Ja ja, ich weiß, - nie wieder!

 

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