|
[Home] [Rom] [Kindertexte] [Info-Seite] [Satire] [Texte und mehr] [Foren u. Links] [Feuilleton] [Notizen] |
||
|
||
|
Texte und mehr |
||
|
|
||
|
|
Mein Freund Schosi
...mein Freund Schosi! Die nachfolgenden Seiten sollen ihm gewidmet sein.
|
|
|
|
Hochwürden
Der Hinterhof des Krankenhauses hat seine Fassade abgelegt. Hier kann jeder ehrlich sein. Der Handwerker, der irgendwo was zu tun hat, der Lieferant, der seine Packerl schleppt, Hochwürden, der seine Katze sucht und Schosi, der sein Reich überwacht. Vorne mäht er den Rasen, kehrt Wege, pflanzt, zieht Fahnen an Masten hoch, bringt Schilder an, - hinten, hält er das Krankenhaus am Laufen. Und alle, - alle kommen in seine Werkstatt, Malermeister Schubauer, Schwester Maria, Hochwürden, der Postbote, obdachlose Rumänen, selbst der Passauer Bischof. Sie alle waren in Schosi`s Werkstatt. Eine multikulturelle Schaltstelle im Kleinen. Hier werden die Rumänienfahrten besprochen, die Reisen nach Rom geplant, der nächste Ausflug ausgesucht, die Israelreise nachbereitet. Hier wird Menschlichkeit gelebt und Barmherzigkeit geübt. Handwerker, Pfarrer, Obdachlose, hier ist jeder willkommen. Nur ein paar Wenige wünscht Schosi nicht so gerne in seinem Reich zu sehen, davon wird später zu erzählen sein. Kleine und kleinste Schubläden, Kästchen und Schachteln bergen all das an Utensilien, die einen Krankenhausbetrieb am Laufen halten. Von der Nachtkasterl-Rolle bis zur Relaisschaltung für den Dampfsterilisator. Vom einfachen Verlängerungskabel bis zur Computerleitung, Mikrochip neben Standbohrmaschine, das habe ich nur in Schosi`s Werkstatt gesehen. Eine Geschichte erzählt man sich als Schosi mal drinnen im Landratsamt bei den Hausmeistern ausgeholfen hat. Dort wurde ihm erklärt wie eine Neonröhre ausgewechselt wird. Danach wurde er gefragt, ob er das denn verstanden habe. Daraufhin die kurze Frage von Schosi: " Was ist, wenn nicht die Neonröhre kaputt ist, sondern der Starter?" Dann müsse man wohl den Elektriker holen, so der Oberhausmeister. Die trockene Antwort kam prompt: "Siehst Du, nächstes mal kannst Du mich holen!"
|
|
|
|
"Hab' ich mir denkt!" Drei Stufen auf einmal, - vorbei an der Pforte, es riecht nach Farbe, sanfte Pastelltöne, gerade richtig für eine Krankenhausambulanz. Die letzten Handwerker haben heute morgen das Haus verlassen - fertig! Protzig messingfarben schreit das Schild ins Auge. Mein Vorgänger, - seine "letzte Amtshandlung". Auf die Schnelle hat er noch ein überdimensioniertes Messingschild an meiner Türe anbringen lassen. CHEFARZT, springt aus dem Messing heraus und jedem Normalgewachsenen mitten ins Gesicht. In dieser ersten Woche, die ich in meinem neuen Krankenhaus bin, hat`s mich schon oft geärgert, das drum Schild. Mit vier Flachkopfschrauben, auch aus Messing versteht sich, ist dieses Monstrum auf der neu lackierten Türe festgeschraubt. Ein dezentes Schild, neben der Türe, das hätte ich mir gewünscht. "Nein, - das Ding muss weg!" Nur, - Spuren bleiben, - das sieht man doch, diese Schraubenlöcher auf der neu lackierten Türe. Schosi muss zu Rate gezogen werden. Der Hausmeister, eigentlich heißt er ja Georg, aber kein Mensch redet hier 'nach der Schrift'. Schosi kommt, besieht sich die Sache merklich kurz, im nachhinein zu kurz, um meine Sorgen der Türverschandelung zu begreifen. Die Strickjacke, vorne offen, das karierte Hemd alles andere als akkurat in der ausgebeulten manchesternen Hose, so steht er dem Messing-CHEFARZT gegenüber. Meine Ermahnung habe ich nicht mehr über die Lippen gebracht, so von wegen achtzupassen mit den Schrauben und den Löchern in der neuen Türe. Weg, - das Monstrum ist ab! Kein Kratzerchen, geschweige denn ein Flachkopfmessingschraubenloch zu sehen. Meine ungläubige Chirurgenhand fährt drüber, - nichts!
"Den G'schmack hat der Neue sicher nicht, hab' ich mir denkt, dann hab' ich die Schraubenköpfe abgesägt und auf das Schild geklebt. Mit Papierleim habe ich den CHEFARZT auf die Tür pabbt. Wird scho' die paar Tag' halten... hab' ich mir denkt!" In diesem Moment nehme ich mir fest vor nie irgendwelche Händel mit meinem Hausmeister anzufangen. Diese Geschichte ist schon viele Jahre her. Händel mit meinem Schosi hat es nie gegeben. Mittlerweile sind wir sehr gute Freunde geworden. In seiner urgemütlichen Werkstatt, irgendwo neben der aufgeräumten Werkbank, liegt noch das drum Schild. Ein leichter Schmunzler kommt uns auch heute noch aus dem Gesicht, wenn wir den Jungen diese Anekdote erzählen.
|
|
|
|
Vom Ledersessel und seiner Reparatur Nicht allzu häufig sitze ich hinter meinem Schreibtisch. Längere Zeit schon gar nicht. Trotzdem ist mir der lederbezogene Schreibtischstuhl in den ersten Jahren meiner Fürstenzeller Zeit ein bequemes und anheimelndes Sitzmöbel geworden. Da passt alles, obwohl mein Vorgänger wesentlich kleiner und auch leichter gewesen war. Die Drehung ist elegant, die Rollen laufen makellos. Akkurates Sitzen, schräges hinein Lümmeln, beides macht Spaß. Die Kurve um den Schreibtisch habe ich noch elegant gerundet, der Kittel fliegt auf die Kommode, - kleiner Schritt noch, - zurücklehnen und... Schieflage, - nach links gekippt. Die Drehung mühsam... Schon habe ich die Mechanik inspiziert. Der Ledersessel liegt kopfüber auf meinem Schreibtisch. Meine Rechte-und-Linke-Hand-Sekretärin flüchtet mit irgendwas zum Unterschreiben ins Vorzimmer. Der geht nicht mehr, - Schosi, der Hausmeister muss bei! Und Schosi kommt, dreht ein bisschen, setzt sich drauf, umrundet meinen Ledersessel und schiebt ihn zur Tür hinaus. "Der is' hin', hat eh scho' lang g'nua g'halten". In meinen Gesichtszügen muss Schosi die maßlose Enttäuschung gelesen haben. Ein wenig zu salbungsvoll teilt er mir noch mit, dass er den Ledernen ja nochmal in seiner Werkstatt genauer inspizieren könne. "Ob da noch was zu machen ist", bemerkt er sehr skeptisch im Hinausgehen. Ulla, die Rechte-und-Linke-Hand-Sekretärin schiebt, wie auf ein geheimes Kommando, einen banalen Drehstuhl hinter meinen Schreibtisch. "Der tut's derweil scho", sagt sie gnadenlos und legt mir die Unterschriftenmappe hin. Immer dann, wenn Ulla neben meinem Schreibtisch stehen bleibt, keinen Zentimeter weicht, weiß ich, - sofort unterschreiben! Ich füge mich in mein Schicksal. Einen halben Vormittag hat es gedauert, ich gehe wieder in mein Zimmer, dort ein strahlender Schosi und eine gütig dreinschauende Ulla. Ein neuer Multifunktion-Schreibtisch-Dreh-Kippsessel in meiner Lieblingsfarbe rot. "Der ist was ganz Gutes, der neue Sessel!" Schosi lobt ihn in den höchsten Tönen. Ich muss auch gleich Probesitzen, um mich herum lauter sehr gütige Gesichter, in denen ich lesen kann: "Jetzt hat er ja endlich wieder einen tollen Sessel, unser Chef!" Mit einem neuen Stuhl ist das so wie mit neuen Schuhen, am Anfang passt das alles noch nicht so gut. Ein paar Tage habe ich mich mehr schlecht als recht an meinen Neuen gewöhnt. Aber so richtig hinein lümmeln, das gelingt mir noch nicht. Ich habe auch gar keine Lust dazu. "Wir müssen uns halt noch mehr aneinander gewöhnen", - so denke ich und gehe über den Hof in die Werkstatt. Ich weiß, - was hat ein Chef in der Werkstatt zu suchen? Der hat seine Leute, die für ihn dorthin gehen. Nun, - ich gehe immer dann in die Werkstatt zu Schosi, wenn ich mal für alle, absolut alle, unerreichbar sein will. Hier hat mich nämlich noch nie jemand gesucht, selbst Ulla ist noch nicht hinter meine Schliche gekommen - und das will was heißen. Deshalb gehe ich auch heute in Schosi's Werkstatt. Auf einen Schwatz, - dort treffe ich die interessantesten Leute, von denen später noch eine Menge zu erzählen sein wird. Kerzengerade, - keine Schieflage mehr! "War nur ein neuer Bolzen - Kleinigkeit" Ich fasse es nicht, - mit unschuldigster Allerweltsmiene erzählt mir Schosi seine Version der Ledersesselreparatur. Mit einem eleganten Dreh' steht er auf: "Sitz Di nei" haucht der Unschuldsengel mir entgegen. "Schee, gell!" Weil ich aber jetzt schon einen ganz neuen und modernen Schreibtischstuhl hätte, könne er ja wohl diesen Reparierten in seiner Werkstatt behalten. Ich hätte natürlich das Vorrecht, wenn ich in seine Werkstatt käme! Der Hallodri, - der ausg'schamte lispelt das mit einer engelsgleichen Stimme, dass ich nur noch mit einem Kloß im Hals zustimmen kann. Auch diese Geschichte hat sich so vor vielen Jahren abgespielt. Oft saß und sitze ich auch heute noch auf meinem alten Schreibtischsessel in Schosi`s Werkstatt. Es waren dies meine glücklichsten Stunden im Fürstenzeller Krankenhaus. Das Krankenhaus ist mittlerweile Geschichte, einem Globalisierungswahn zum Opfer gefallen. Die kleine Werkstatt aber atmet heute noch jenen Geist der damaligen Mitarbeiter. Wie mit unsichtbarer Hand hält unser Schosi diesen Geist zusammen. - der Hallodri, der Boanede!
|
|
| [Zurück zur Übersicht] [Weiter zu Text 11] | ||