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- Vom
Schulaufsatz
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- Ich
sehe ihn noch vor mir, meinen Lehrer, gleich nach dem Krieg in unserer
Dorfschule. 4 Klassen wurden in einem Raum von Lehrer Krompass unterrichtet.
- War
bei den ABC Schützen Lesen dran, dann mussten die Älteren aus dem
Heimatkundebuch abschreiben. An einen festen Stundenplan kann ich mich nicht
erinnern. So schlecht kann der Unterricht aber bei Lehrer Krompass nicht
gewesen sein, denn auch ich konnte nach der Grundschule auf’s Gymnasium gehen
und habe dieses mit leidlichem Erfolg abgeschlossen.
- Die
Grundschulzeit wäre nur schemenhaft in meiner Erinnerung, wenn es da nicht
einen Schulaufsatz gegeben hätte.
-
Lehrer Krompass schrieb das Thema an die Tafel: ‚Wenn meine Teekanne erzählen
könnte ...’
- Eine
Stunde Zeit hatten wir für diesen Aufsatz.
- War
ich am Anfang noch überrascht, so kroch zunehmend Verzweiflung in meinen
Füllfederhalter. Schulaufsätze mussten wir mit Tinte in ein Heft schreiben.
Alles andere, auch Rechenaufgaben, wurden auf eine Schiefertafel geschrieben.
- Eine
Teekanne kannte ich nicht. Zuhause wurde Kaffee getrunken. Werktags
Blümchenkaffee der Marke ‚Lindes’. Höchstens mal am Wochenende richtiger
Bohnenkaffee. Aber Tee, ne, der wurde nicht getrunken.
- Die
Packung mit den blauen Punkten ist mir noch gut in Erinnerung. Dieses ominöse
Wort ‚Surrogatextrakt’ unter dem Markennamen ‚Lindes’ war für mich eine
phänomenale Wortschöpfung.
- Mit
Tee verband ich Bauchschmerzen, Erkältung, Husten.
- Dann
wurde bei uns zuhause Pfefferminztee in einem verbeulten Topf auf dem
Küchenherd aufgebrüht. Von einer Teekanne war weit und breit nichts zu sehen.
- Eine
Kaffeekanne konnte ich zeichnen, auch beschreiben. Darüber hätte ich sogar was
schreiben können. Nur, das Thema hieß nicht ‚Wenn meine Kaffeekanne erzählen
könnte’, Lehrer Krompass wollte von uns was über das bewegte Leben einer
Teekanne wissen.
- Auch
wenn ich mich noch so sehr anstrengte, solch eine Kanne konnte ich mir nicht
vorstellen. Das war mein Problem, wie sollte ich etwas über ein Gefäß
schreiben, von dem ich nicht mal wusste wie es aussah.
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Krompass musste was ahnen. Immer wieder ging er hinter mir vorbei, schaute auf
mein leeres Schulheft und wiederholte sein Thema „Wenn“, danach machte er eine
Pause, „meine Teekanne“, den ‚Tee’ zog er dabei in die Länge, „erzählen
könnte“.
- Aber
auch seine Wiederholung zeichnete kein Teekannenbild in meinem Hirn.
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-
Bauchschmerzen, das war es, Bauchschmerzen würden mich retten.
- Schon
legte ich den Federhalter zur Seite, krümmte mich nach vorne, nach hinten und
verzog mein Gesicht so, dass der Krompass besorgt neben mir stehen blieb. Mit
beiden Händen rieb ich meinen Bauch und schaute leidend zu ihm hinauf.
- „Was
ist mir dir?“
- „Ich
habe solche Bauchschmerzen!“
- „Geh’
mal etwas an die frische Luft!“
- Bis
zur Türe ging ich in gebeugter Haltung. Meine Klassenkameraden waren von
meinen Bauchschmerzen überzeugt, das las ich in ihren Blicken. Draußen setzte
ich mich auf den Treppenabsatz und wartete.
- „Na,
besser?“
-
Krompass streckte den Kopf aus der Klassenzimmertüre.
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„Nein!“
- Mit
einem leidenden Kopfschütteln unterstrich ich meine Schmerzen.
- „Wenn
Du solche Bauchschmerzen hast, dann geh’ nach hause und lass dir von deiner
Mutter einen Pfefferminztee kochen.“
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- Ich
ging zurück an meinen Platz und räumte meinen Schulpack ein.
- „Den
Schulranzen kann der Klaus nachher mitnehmen, geh du jetzt mal nach hause.“
- Sehr
dankbar verließ ich die Schule und kam zu ungewohnten Zeit heim.
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„Warum bist Du schon da?“
- Meine
Mutter scheuerte gerade die Treppe vor dem Haus.
- „Ich
habe plötzlich Bauchschmerzen bekommen!“
- „Na,
das wird nicht gleich so schlimm sein!“
- Sie
ging mit mir in die Küche, schaute mich an.
-
„Blass bist du jedenfalls nicht!“
- „Der
Lehrer hat gesagt, du sollst mir einen Pfefferminztee kochen.“
- Ich
setzte mich auf die Eckbank und rieb noch etwas auf meinem Bauch herum.
-
Mutter machte keine Anstalten Tee zu kochen.
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„Machst du mir keinen Pfefferminztee?“
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Wortlos stellte sie den Topf auf den Herd. Die getrockneten Teeblätter
bröselte sie in das kochende Wasser.
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„Meinetwegen sollst du deinen Tee haben!“
- Über
ein Sieb goss sie den aufgebrühten Tee in eine Tasse.
- Als
ich zum Zucker greifen wollte sagte Mutter
- „Bei
Bauchschmerzen wird der Pfefferminztee ohne Zucker getrunken!“
- Nun
schlürfte ich die hellgrüne Brühe und überlegte wie eine Teekanne aussehen
könnte.
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