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La Fontanella Das römische Kopfsteinpflaster fordert seinen Tribut. Die Füße merken das zuerst. Auf einem Marmorgesimse setze ich mich nieder, ziehe meine Schuhe aus. Die Plastikflasche ist schnell am Wasserstrahl des kleinen Brunnens gefüllt. Die ersten Schlucke sind gierig, - das kühle Wasser ist köstlich. Mein Halstuch tauche ich in das Marmorbecken, vergrabe mein Gesicht in dem triefenden Tuch. Angenehme Kühle verdrängt die Müdigkeit. Eben noch vom römischen Pflaster malträtiert sitze ich jetzt entspannt neben dem kleinen Brunnen und genieße mein Rom. Das ausgewrungene noch nasse Tuch knote ich wieder um den Hals. Mein Blick streift Mauerwerk entlang der Häuserfront, allerlei Grün rankt sich um Balustraden und Pfeiler. Über das Geländer einer Dachterrasse quillt es in unendlich vielen Farben. Die oberen Stockwerke und Dachgärten sind in Licht geflutet, die gegenüberliegende Häuserzeile verbirgt sich im Schatten. Mitten in Rom dörfliche Idylle. Der Blick wandert hinauf in das intensive Blau des römischen Himmels. Unmittelbar neben mir ist Leben, der kleine Brunnen will seine Geschichte erzählen. Das andauernde immer wieder neu komponierte Plätschern und Gurgeln des Wassers redet mit Heiterkeit von seinem Rom. Es purzelt heraus aus dem Marmorspalt, ergießt sich über eine abgerundete Brüstung und fällt unvermittelt in sanftem Bogen in das kleine Marmorbecken. Dabei formt dieses klare Nass abertausend flüchtige Figuren. Nicht langweilig und monoton fließt es, - nein, ein ewiges Wechselspiel an Formen und Fantasien fällt hinunter. Der hüpfende Wasserspiegel tanzt Reigen mit dem fallenden Nass. Das gurgelt, plätschert und gluckst. Zuckende Lichtreflexe untermalen die Melodie des Wassers. Kein Ton gleicht dem anderen, Wellen und Töne wandeln sich immer neu, ein phantastisches Schauspiel. La Fontanella erzählt mir vom stetigen Kreislauf. Weit oben in den Albaner Bergen beginnt die Reise, über verschlungene Wege, Aquädukte und Kanäle fließt es in die ewige Stadt. Jahrein jahraus bringt es Leben an diesen kleinen Brunnen, es kokettiert mit dem Marmor und erzählt mit ihm zusammen leidenschaftlich immer nur der Gegenwart verpflichtet sein Leben. Sekunde um Sekunde quillt neues Wasser hervor, offenbart sich, verschwendet seine Schönheit im Licht des römischen Tages und versickert nach wenigen Augenblicken in der Vergangenheit. Meine Zwiesprache ist vertraulich. Es ist nicht das erste mal, dass ich hier sitze, jeder Rom-Besuch führt mich hierher. Meine heimliche Geliebte aus Marmor und Wasser lässt schmeichelnd das Nass über meine Hände rinnen. Sanfte Kühle sorgt für die ersehnte Erfrischung. Lustiges Plätschern und das kokette Funkeln der Wasseroberfläche machen mich glücklich. Geschichte, die auf der Seele brennt Gehe mit wachem Geiste durch Rom. Erkunde seine Geschichte, dann spürst du sie unmittelbar in deiner Seele. So nahe habe ich mich noch nie in der Vergangenheit gefühlt wie in Rom. Aber auch so aktuell war mir diese Geschichte noch nie. Unsere abendländische Kultur, unsere Errungenschaften und auch unsere Schwächen sind ohne Rom nicht erklärbar. Wenn ein Papst nach Zweitausend Jahren das erste mal ein "mea culpa" über die Lippen bringt, dann ist das eine sonderbare Auslegung unserer christlichen Religion. Hier hat man das Gefühl, dass Buße und 'Schuld auf sich nehmen' nur für das gemeine Volk Gültigkeit hatte. Der Klerus, die päpstliche Macht stand darüber, sie ist unfehlbar (Pius IX.). Der Stellvertreter Petri hat mit dem Jesus von Nazareth nichts mehr gemein. Jener war für die Menschen gestorben, die religiösen Machthaber aber haben die Menschen benutzt. So war es von dem Nazarener nicht gewollt. Geschichte wirft in Rom brennende Fragen auf, aktuelle Fragen über unser Verhältnis zur Macht, zur Demokratie und zur Kirche. Wenn auch die stummen Zeugen auf dem Forum Romanum und unter den Fundamenten der christlichen Sakralbauten einzeln interpretiert werden müssen, es gibt einen Sinn darüber nachzudenken. Plötzlich wird die Geschichte des antiken Rom und des frühen Mittelalters aktuell und bedenklich zeitgemäß. Zweitausend Jahre schrumpfen zusammen, und du merkst, dass unsere Probleme heute, unsere philosophischen Fragen, nicht viel anders geworden sind. Der Mensch hat sich in Zweitausend Jahren nicht gewandelt. In seinen geistigen Fähigkeiten ist er um keine Stufe weiter gekommen. Macht ist Macht geblieben und sie wird weiterhin missbraucht. Vielleicht sind die Methoden anders geworden, im Ergebnis gibt es keinen Unterschied. Die Kriege sind größer und brutaler geworden. Doch die Intrigen blieben Intrigen. Die Glaubenskriege sind Weltumspannend. Auch die neu entdeckten Kontinente sind von der Unvollkommenheit der alten Welt ganz schnell eingeholt worden.
Rom und die Farbe Blau Strahlend blauer Himmel über der Ewigen Stadt. Die weiten Felder, die schlanken Zypressen, darüber ein Firmament mit intensivem Blau, hinein gestreut ein paar Wolkentupfer. Die Ausfallstraße mit ihrem nicht abreißenden Verkehr haben wir hinter uns gelassen. Ein paar Stufen hinauf, durch den Torbogen und schon liegt der Kiesweg zu den Callisto Katakomben vor uns. Der Lärm der Straße fast lautlos. Vor uns die niedrigen Häuser über der Katakombe, rechts über den Feldern Sankt Sebastiano. Gruppen werden zusammengestellt. Führungen in allen gängigen Sprachen. Wir haben Glück, gerade wird eine deutsche Gruppe aufgerufen. Eine hübsche und sehr freundliche Signorina lotst uns an den Wartenden vorbei. Erleichtert kommen wir nach einer Dreiviertel Stunde zurück an die Oberfläche, ein beklemmendes Gefühl fällt in der wärmenden Sonne ab. Frohgemut schlendern wir zurück an die Bushaltestelle. Gegenüber in einer Bar gibt es café und andere Erfrischungen. Genüsslich schauen wir dem chaotischen Verkehr zu. Im spitzen Winkel vereinigen sich zwei stark befahrende römische Ausfallstraßen. Keine Ampeln, Verkehrszeichen werden ignoriert. Mit stetigem Hupen und aus dem Fenster gestikulierend verschaffen sich die motoristi den nötigen Respekt.
Erst die Polizia communale regelt etwas Planung in dieses Wirrwarr. Mit einer „bestialischen" Mine, die Trillerpfeife zwischen den Lippen, pausenlos pfeifend, mit den Armen rudernd gelingt es dem Polizisten den Verkehr zum Laufen zu bringen. In „Siegerpose" theatralisch den Kopf im Nacken in schmucker blauer Uniform zeigt er der tosenden Blechlawine, wer der Herr ist auf dieser Weggabelung. Ein faszinierendes Schauspiel unter dem strahlend blauen Himmel Roms.
Unschuldige Sünden ANTIPASTO 'Vorspeise' steht im Wörterbuch. Nur, das ist es nicht. Antipasto ist eine Komposition, die in einer Trattoria aus vielen Einzelnoten eine wunderhübsche Melodie auf den Teller zaubert. Die Antipasto macht aus unschuldigem Genießen ein lüsternes Verlangen nach immer gewagteren Gaumenfreuden. Buon appetito SPAGHETTI ALLA CARBONARA Wenn du diese drei Worte genüsslich über die Zunge sprichst kommen tausend Sehnsüchte. Überall auf der Welt mögen Spaghetti Nudeln sein, hier in Rom ist es Pasta. Nicht wegzudenken aus Rom. Und - nur hier sind diese Spaghetti alla carbonara so 'al dente'! ESPRESSO Das ist nicht irgend eine schwarze Brühe, in der gemahlene Kaffeebohnen ertränkt werden, Cafe´ in Rom ist 'Dröhnung', 'Eruption', Genuss pur, der Beste der Welt. Egal ob in der Bar an einer Piazza oder im Straßencafé. Es ist wenig, aber der Stoff ist sofort im Blut. Basta! GELATI
EINEN BOGEN SPANNEN Wo kannst du besser einen Bogen spannen zwischen Antiker Geschichte und zart schmelzendem Eis? *** Rom *** In keiner anderen Stadt ist Caesar neben Lukull zu finden!
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Blick auf's Forum Romanum vom Tabularium
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