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F a b r i z i u s

Zurück Roma aeterna

  Rom die ewige Stadt

 


 

Das Elend

Zugrunde gerichtet, ohne Glanz, dahinvegetierend - das ist das Rom des frühen Mittelalters. Unter der Knute der Kirche und hereinbrechender Stämme während der Völkerwanderung wird die Antike ausgelöscht. Jämmerliche Hütten und Behausungen geben den Menschen Obdach. Wo sind die herrlichen Säulenhallen, die Thermen, die Tempel? Sie alle sind dem Verfall preisgegeben. Vandalismus, Zerstörung überall. Es ist die große Zeit des Antichristen. In diesem Namen werden die abscheulichsten Greueltaten vollbracht. Hier sieht man keinen Unterschied zwischen den einbrechenden Barbaren aus dem Norden und der päpstlichen Truppe. Morden und plündern können sie alle. Die wenigen Zeitzeugen, die des Schreibens mächtig waren konnten nur unter Lebensgefahr zum Chronisten werden. Jedes geschriebene Wort, dass nicht der Kirche diente, war ketzerisch. Der Aberglaube trieb seine hässlichen Blüten und die alten heidnischen Sitten jenseits der Alpen waren noch lange nicht dem Christentum gewichen. Uralte Handelswege verrotteten, keine steuernde Obrigkeit verlieh dem Handel Sicherheit. Lediglich die Pfründe der Kirche mehrten sich. Im Namen Gottes wurde geraubt, gebrandschatzt und gemordet.

Auch in jener dunklen Zeit gab es Menschen mit hellem Geiste und reinen Gedanken. Nicht selten wurden sie von der Inquisition durch halb Europa gejagt. Das antike Wissen, die Künste, die Wissenschaft lag danieder. Viele handwerklichen Fertigkeiten, gerade das der Baumeister der Antike ging verloren. Die Philosophie verkümmerte, Staatliche Rechte, Gerichtsbarkeit und staatliche Verwaltung waren nicht mehr existent. Waren die Leute wieder dümmer geworden, so muss sich der Betrachter der heutigen Zeit fragen. Die Menschen waren doch wohl die gleichen, nur das Gedankengut, die Obrigkeit war eine andere geworden. Blühende Künste der ausgehenden Antike mussten einem Barbarentum weichen. Die lateinische Sprache des antiken Rom verkümmerte und wurde nur noch in der Oberschicht gesprochen. Analphabetentum, das sicher nie ganz ausgemerzt war, griff wieder um sich. Es wurde dunkel im beginnenden Mittelalter. Das Land verfiel in eine Lethargie, aus der es erst nach Jahrhunderten geschunden und gedemütigt aufwachen sollte.

 

 
 
 
Wir schreiben das Jahr 1592 n. Chr.
Ein Zeitzeuge schreibt in einem geheimen Brief
ketzerische Worte nieder:

In meiner ganzen Schaffenskraft habe ich immer wieder jene Menschen getroffen, die absolut nichts mit einem Wort, geschweige denn mit einem Satz anfangen konnten. Es waren ewige Ignoranten des Geistes. All die Texte tropften von Ihren Ohren. Kein geistig Wort drang jemals bis in ihr Gehirn vor. Wenn nicht die oft absonderliche Bauernschläue bei diesen Individuen gewesen wäre, so hätte ich vermutet, sie wären ganz ohne Hirn. Wenn es ums Betrügen ging, ums Vorteil erheischen, dann war ihr Geist zu den verwerflichsten Taten fähig. Wurden sie jedoch mit Dichters Worten konfrontiert, dann rümpften sie die Nase, und bemerkten ganz ungeniert, dass man wohl daraus keinen materiellen Nutzen ziehen könne und somit habe der ganze schriftstellerische Firlefanz keine Daseinsberechtigung. Voller Abscheu tief in meinem Inneren wandte ich mich ab, doch auch voller Mitleid war ich für jene Menschen, die mit noch keiner einzigen Silbe die himmlische Dichtkunst haben erfahren können, außer vielleicht durch ein paar derbe Possen einer der vielen umherziehenden Wanderbühnen mit ihren schauspielernden Galgenvögeln. Vielleicht bin ich auch meiner Zeit voraus. Ein Napf voll Suppe und ein Kanten Brot zählt bei den Armen mehr als eine schwungvoll vorgetragene Ballade. Die Reichen, die im Überfluss fressen und saufen sind nur bereit allerlei Obszönitäten über sich ergehen zu lassen. Die Klarheit und Reinheit eines Verses verstehen sie genau so wenig wie der arme Schlucker, der morgens noch nicht weiß, ob er abends satt wird. Was für eine Zeit, ausschließlich mit Seinesgleichen zu disputieren. Auch hier die absonderlichsten Pseudogelehrten. Verstehen sie einen Text nicht, dann sind sie gleich mit Zauberei und Hexerei zur Stelle. Behutsam muss man seine Worte wählen, immer bedacht den Klerus nicht zu verärgern oder, noch schlimmer, gegen die Dogmen der heiligen Kirche zu reden. Die Inquisition lauert überall. All die intriganten und kopulierenden apostolischen Würdenträger, all der verderbte klösterliche Sumpf glaubt wirklich er könne über die reine Lehre unseres Glaubens herrschen. Bei Gott in was für eine Welt wurde ich hineingeboren?

Fra Giramo
meinen wahren Namen verschweige ich

 

   

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