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Die
Säulen des Pantheon
Vielleicht ist es der schönste Platz in Rom, die Piazza Rotonda mit dem
alles beherrschenden Pantheon. Doch kaum ist dieser Gedanke zu Ende
gedacht schon zweifelt man wieder um seiner Aussage, "der schönste
Platz". Speziell in Rom sind diese Superlative schwierig zu gebrauchen.
Was ist schon das Schönste? Schön zum anschauen? Schön zum Träumen? -
Sei`s d´rum! Sehr gerne sitze ich vor diesem mächtigen Bauwerk, mal auf
den wenigen Stufen des Brunnens in der Mitte der Piazza, mal unter den
mächtigen Säulen des Eingangsportals. Das sind Momente in meinem Leben
gewesen auf die ich nie verzichten wollte. Je näher ich mich solch einer
mächtigen Säule nähere, desto beklemmender das Gefühl der
Vergänglichkeit, desto kraftstrotzender der kalte Stein. Zögernd berührt
man diesen Stein. Himmelwärts strebend haben diese Säulen eine über
zweitausendjährige Geschichte über sich ergehen lassen. Monumental
begleiten sie die vorbeigehenden Menschen, erinnern an antike
Baumeister, die bis auf den heutigen Tage zu den Besten zählen, die die
Menschheit hervorgebracht hat. In Sekundenschnelle geht mir das durch
den Kopf, wenn ich durch den Portikus in das innere dieses antiken
Tempels gehe. Ich scheue mich das Pantheon als Kirche zu bezeichnen
obwohl es schon recht früh in der Geschichte des Papsttums als
christliche Kirche umfunktioniert wurde (608). Geblieben ist kein
sakrales christliches Bauwerk sondern ein erhabenes antikes Monument aus
der Blütezeit des Römischen Imperiums jenseits aller christlicher
Frömmelei. Hier spürt man die alten, die heidnischen Götter Rom`s. Das
Pantheon wurde geschunden, aber selbst die Barberini konnten diesen
antiken römischen Tempel nicht gänzlich zerstören. Die riesige Kuppel
hat noch die gleiche Faszination wie vor Zweitausend Jahren. Flutet das
Licht durch die Öffnung in der Kuppelmitte in mein Gesicht, dann spüre
ich mich den alten Göttern nahe. Alles was heute in diesem Bau
untergebracht ist wird dann nebensächlich. Kein Raffael, kein Umberto
kommt an die Dimensionen heran, die ich im Geiste erklimme. Dieses
raumumgreifende Monument erlebe ich jedes mal mit einer andachtsvollen
Stille und mit ehrfurchtsvollen Respekt. So allumfassend die Wirkung im
inneren ist, so vollkommen wird sie dem Betrachter von außen. Wieder
vorbei an den Säulen des gewaltigen Portikus spürt man den Hauch der
Antike. Die Säulen beginnen mir über jene Zeit zu erzählen. Meine
geistige Zwiesprache ist alles andere als eine billige Gefühlsduselei.
Es ist intensive Vorstellungskraft. Schon zu allen Zeiten haben diese
Säulen ihre Macht gegenüber den Menschen demonstriert. In archaischer
Festigkeit können sie jedem demonstrieren, was Stabilität und
Zuverlässigkeit ist. Kaiser kamen und gingen, die Macht wechselte
berauschend schnell, die steinernen Zeugen einer statischen Macht aber
waren und sind unbestechlich und absolut gegenwärtig. Diese Säulen
demonstrieren und zelebrieren ihre Jahrhunderte. Die Steinmetze, die
diese Pracht geschaffen haben, waren den Göttern näher. Auch wenn man
ein paar mal diese Säulen umrundet, so ganz ergründen kann man sie
nicht. Kleine und kleinste Schrammen und Schrunden in dem harten Marmor
versuchen eine ehrliche Geschichte zu erzählen. Dann wird es schon
symbolhaft, wenn eine zierliche Kinderhand diese aufstrebenden Kolosse
berührt. Unwillkürlich erwartet man, dass irgend etwas passiert. Kalter
Stein in der Berührung einer unendlich zarten und warmen Kinderhand.
Hier ist etwas für die Ewigkeit geschaffen, das immer wieder neues Leben
fasziniert. Ewiges junges Rom