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Zurück Roma aeterna

  Rom die ewige Stadt

 

Freunde in Rom


Diese Germanen
ein Essay von Matteo Neri ins deutsche Übersetzt von Matthias Papenberg
aus der deutsch-italienischen Zeitschrift CONTRASTO

Vor ein paar Wochen kam die Neuauflage eines Aufsatzes über Deutschland in die Buchhandlungen, Titel: Germania (hrsg. von Arno Mauersberger, Insel-Verlag). Es handelt sich um die Übersetzung eines Büchleins (46 kurze Kapitel auf knapp 50 Seiten), das in Italien monatelang ein echter Bestseller war. Der Originaltitel lautet De origine et situ Germanorum, erstmals 1998 veröffentlicht. Der Autor – Tacitus– ist vielen vor allem bekannt durch seine vielbändige Geschichte des römischen Prinzipats und durch eine vita seines Schwiegervaters Agricola, der als Konsul vorbildlich sein Amt geführt hatte. Wer sind denn nun diese Germanen, von denen man überall in Rom spricht? Truces et caerulei oculi, rutilae comae, magna corpora... Sie haben, so Tacitus, wilde blaue Augen, rote Haare, und sind groß gewachsen. Die Ausdauer der germanischen Krieger, ihre erstaunliche Körpergröße und die stechenden Augen haben schon die Zenturionen Caesars eingeschüchtert. In einer Zeit, in der noch Mann gegen Mann gekämpft wurde, spielten die Augen oft die entscheidende Rolle: „In allen Schlachten“, so folgert Tacitus, „müssen zuerst die Augen besiegt werden.“ Beim Gedanken an die Stärke und das Durchhaltevermögen der Germanen lief es den Römern kalt den Rücken hinunter. Die Ausdauer ihrer Arme und Beine sollte sich in der Neuzeit in die Dauerhaftigkeit deutscher Produkte verwandeln, von der Tuchmacherei im 16. Jahrhundert bis zur heutigen Autoproduktion. So ist es vielleicht nicht übertrieben, den Mythos made in Germany bis zu Caesars und Tacitus‘ Äußerungen zurückzuverfolgen. Die Küche der Germanen ist einfach und naturbelassen: Waldfrüchte, frisches Wild, und geronnene Milch – unser Joghurt. Sie setzen sich gleich nach dem Aufwachen an den Tisch, nachdem sie sich mit warmem Wasser gewaschen haben. Anders als die Römer, die gerne Wein trinken, haben die Germanen ein aus Gerste oder fermentiertem Weizen gewonnenes Getränk, das Bier. Während bei uns einer, der sich betrinkt, nicht wohlgelitten ist, ist es in Germanien genau umgekehrt:„Tag und Nacht zu trinken, betrachtet keiner als etwas, wofür man sich schämen muss.“ Kein Wunder, dass oftmals Streit ausbricht: „Wie ja bei Betrunkenen typisch, gibt es regelmäßige Schlägereien.“ Die Germanen leben nicht in Städten, wie wir sie kennen; sie setzen nicht ein Gebäude an das andere, nein, sie leben einzeln und verstreut (colunt discreti ac diversi), wobei sie zwischen den Häusern einen Freiraum lassen. Wer Hamburg einmal von oben sieht, wird bemerken, dass es noch heute so ist. Tacitus verhehlt nicht die eigene Bewunderung für dieses gesunde, noch nicht von der Zivilisation zugrundegerichtete Volk. „Die Frauen bewahren eifersüchtig ihre pudicitia, sie lassen sich weder durch die Anziehungskraft von Schauspielen noch durch die Betörung von Gelagen ablenken.“ Die Germanen sind nicht verschlagen und schlau (gens non astuta nec callida), deshalb haben sie reine und natürliche Gemüter (ergo detecta et nuda omnium mens). Vor allem jedoch können die Germanen nicht lügen, sie können, anders als wir Lateiner, nicht heucheln (fingere nesciunt). Ihre Wirtschaft hat das Glück, von Zins (usura) und Zinseszins (fenus) nichts zu wissen; das Geld selbst, die Quelle allen Lasters und Übels, scheinen sie von den Römern übernommen zu haben: „Wir waren es, die den Germanen beigebracht haben, Geld anzunehmen.“ Bestechung und Bestechlichkeit wurden nicht als ein unausweichlicher Tribut an die eigene Zeit betrachtet, an das saeculum. Deshalb lacht in Germanien keiner über die Laster. Nemo illic vitia ridet. Die Germanen bei Tacitus sind genau das, was die Römer selbst einmal waren. Sie sind ein exemplum, ein Vorbild, das der Verfasser der Taten und Untaten der Kaiser von Tiberius bis Nero seinen Zeitgenossen gegenüberstellt. Beim Lesen der Germania etwa 2000 Jahre nach der Erstveröffentlichung wundert man sich nicht darüber, wie viele Dinge sich geändert haben, sondern es bleibt das Erstaunen darüber, wie viele Dinge unverändert geblieben sind. Die Germanen, pardon, die Deutschen, tun noch immer die gleichen Dinge, sie trinken reichlich Bier, essen Joghurt, frühstücken ausgiebig, bauen Häusle mit Garten und wandern in den Wäldern, eine neuere Art, sich vor dem heiligen Wald ehrerbietig zu zeigen, in dem die Germanen ihre Kultfeiern begingen. Inzwischen gibt es das Römische Reich, an dessen Untergang sie nicht unbeteiligt waren, nicht mehr. Die Germanen haben gelernt, Wein zu trinken, Geld zu verleihen und mit Zinsen zu spekulieren; sie haben, oh weh, auch gelernt zu lügen und zu heucheln, sie sind schlau geworden, und auf die pudicitia ihrer Frauen würde man keine Wette mehr abschließen. Die Germanen sind wie wir geworden; sie sind nicht mehr jenes urwüchsige, einfache Volk, ganz bei sich (sinceram et tantum sui similem gentem), unbeeinflusst von Verbindungen mit anderen Völkern, das Tacitus erkannt und gepriesen hat. Der unbezähmbare Drang nach Unabhängigkeit, die berühmte Germanorum libertas, an der sich bis vor kurzem unsere Väter die Zähne ausbissen (tam diu Germania vincitur), auch er ist durch die schnell fortschreitende Globalisierung unterdrückt worden.

 

 

Warum um alles in der Welt willst Du schon wieder nach Rom fahren?

- Weil ich neugierig bin!

- Weil ich meiner inneren Stimme folgen muss!

- Weil ich dort glücklich bin

- Weil ich dort meinen Traum träumen kann!

- Weil ich dort Geschichte hautnah erlebe

- Weil ich das Licht in Santa Sabina sehen muss

 

Vor S. PIETRO

im Kreuzgang von S. PAOLO FUORI LE MURA

     

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